AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung
Jonas SchmidtAfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung
Im Mai 2026 hielt Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, eine umstrittene Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Seine Äußerungen stellten die seit langem etablierte deutsche Auseinandersetzung mit der Kriegsvergangenheit infrage und lösten eine Debatte über historische Erinnerung und nationale Identität aus.
Tillschneider erkannte zwar die Befreiung an, deutete die militärische Niederlage Deutschlands jedoch als „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. Die Nachkriegstradition der Aufarbeitung der Geschichte bezeichnete er als „absurde Schuldkultur“ und „imaginäre Kollektivschuld“. Seine Wortwahl ging über bloße Kritik hinaus: Er präsentierte die moralische Katastrophe der NS-Zeit als eine Erzählung, in der die Deutschen vor allem als Opfer dargestellt werden.
Die berühmte Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 – ein Meilenstein der deutschen Verantwortungsübernahme – lehnte er als „geistige Kapitulation“ ab. Stattdessen argumentierte Tillschneider, die Deutschen hätten sich im Nachhinein auf die Seite der Sieger geschlagen, um der Schuld zu entgehen. Er forderte eine Rückkehr zu einer „normalen deutschen Identität“, frei von dem, was er als „ewige Vergangenheitsbewältigung als dauernde Buße“ bezeichnete.
Beobachter wiesen darauf hin, dass seine Aussagen mit den breiteren Bestrebungen der AfD in Sachsen-Anhalt übereinstimmten, das historische Verständnis Deutschlands umzudeuten. Statt einer „stolzen Zukunft“ warnte Tillschneider, dass die Ausrichtung der Partei das Land in intellektuelle Isolation zurückführen könnte.
Seine Rede unterstrich den Versuch der AfD, das Verhältnis Deutschlands zu seiner Vergangenheit neu zu definieren. Indem er historische Verantwortung als Last darstellte, positionierte er die Vision der Partei gegen Jahrzehnte etablierter Erinnerungskultur. Die Äußerungen zeigten den anhaltenden Konflikt darüber, wie die Nation ihre Geschichte des 20. Jahrhunderts erinnert – und vermittelt.






