23 May 2026, 20:15

Bergkirchweih in Erlangen: Warum klassische Partyschlager jetzt verboten sind

Ich bin der Herr von Erlangen, Euer Nachbar vom Land

Bergkirchweih in Erlangen: Warum klassische Partyschlager jetzt verboten sind

Erlangens berühmtes Bergkirchweih-Volksfest steht in diesem Jahr wegen seiner Musikauswahl in der Kritik. Die Stadtverwaltung hat mehrere klassische Partyschlager verboten und sie als sexistisch oder frauenfeindlich eingestuft. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die angab, im vergangenen Jahr auf dem Fest unsittlich berührt und durch die Songtexte in eine unangenehme Situation gebracht worden zu sein.

Die Entscheidung erfolgte nach einer offiziellen Beschwerde bei den Nürnberger Nachrichten. Eine Besucherin schilderte, von aggressiven Männern unangemessen angefasst worden zu sein, und kritisierte Lieder wie Skandal im Sperrbezirk sowie Titel der Künstler Mickie Krause und Peter Wackel. Der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – hatte bereits 2021 Texte mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ verurteilt.

Die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, prüften die „problematischen“ Lieder. Ihre Liste dient nun als inoffizielle Richtlinie, die DJs und Bands davon abhalten soll, die Titel zu spielen. Wirte reagierten jedoch skeptisch und stellten infrage, ob die Einschränkungen tatsächlich zu einem Verhaltenwandel führen werden.

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Künstler äußerten sich empört über die Verbote. Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile Du geile Sau enthält, behauptete, viele Musiker hätten mittlerweile „null Bock“, in Deutschland aufzutreten. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Zensurmaßnahmen mit der DDR und merkte an, selbst die SED habe die Texte seiner Band nie unterdrückt. Kritiker spotteten über das neue inoffizielle Festmotto: Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!

Trotz der Kontroverse erwarten die Veranstalter fast eine Million Besucher beim diesjährigen Bergkirchweih. Das Fest findet unter verschärften Richtlinien für die Musikauswahl statt – Bands und DJs müssen nun auf als sexistisch oder beleidigend eingestufte Lieder verzichten. Ob die Änderungen tatsächlich zu weniger Belästigungsvorfällen führen oder diese nur in den Hintergrund drängen, bleibt abzuwarten.

Quelle