Bremen kämpft mit Rekordarmut: Warum traditionelle Rollenbilder Frauen besonders treffen
Anton HuberBremen kämpft mit Rekordarmut: Warum traditionelle Rollenbilder Frauen besonders treffen
Bremen verzeichnet aktuell die höchste Armutsquote Deutschlands – besonders betroffen sind Frauen, vor allem alleinerziehende Mütter. Bettina Wilhelm, die Landesbeauftragte für Frauenbelange, nennt die Lage „unhaltbar“.
Studien zeigen eine zunehmende Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern in der Region. Unklar bleibt jedoch, ob diese Arbeitsteilung tatsächlich den Wünschen beider Partner entspricht. Viele Eltern wünschten sich demnach eine gleichberechtigte Aufteilung von Beruf und Care-Arbeit, scheiterten aber an finanziellen oder organisatorischen Hürden.
Nur 52 Prozent der Mütter mit kindergartenpflichtigen Kindern in Bremen sind erwerbstätig – der niedrigste Wert bundesweit. Dieser Trend unterstreicht die Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Wilhelm betont, dass wirtschaftliche Unabhängigkeit für Frauen selbstverständlich sein sollte, nicht die Ausnahme.
Als Lösungsansätze werden eine Reform oder Abschaffung des Ehegattensplittings diskutiert. Damit sollen Anreize für klassische Rollenmuster abgebaut werden. Auch das Elterngeld könnte so angepasst werden, dass die vollen Leistungen nur gewährt werden, wenn beide Elternteile Erwerbsarbeit und Betreuung gleichberechtigt teilen.
Gefordert wird zudem eine gezieltere Unterstützung für Familien. Unternehmen müssten familienfreundliche Arbeitszeiten ausbauen, Führungspositionen für Jobsharing öffnen und Väter fördern, die sich aktiv an der Kinderbetreuung beteiligen. Die vorgeschlagenen Reformen zielen darauf ab, Hindernisse für eine paritätische Aufteilung von Beruf und Care-Arbeit zu beseitigen. Bei Umsetzung könnten sie die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen stärken, die Armutsquote senken und zu einer gerechteren Verteilung der elterlichen Verantwortung beitragen.






