Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt Deutschlands zögerliche Energiewende und lobt Skandinavien
Jana SimonHabecks Staatssekretär Graichen kritisiert die Energiepolitik der Bundesregierung - Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt Deutschlands zögerliche Energiewende und lobt Skandinavien
Patrick Graichen, ehemaliger Staatssekretär für Energie, hat die aktuelle Energiepolitik Deutschlands scharf kritisiert. Er wirft der Regierung vor, mit ihrer Abhängigkeit von Öl und Gas Klimawarnungen zu ignorieren. Seine Äußerungen erfolgen nach seinem vorübergehenden Rückzug im Mai 2023, der auf einen Interessenkonflikt bei der Besetzung des Aufsichtsrats der Deutschen Energie-Agentur (dena) zurückging.
Als Vorbild für eine gelungene Energiewende nennt Graichen die skandinavischen Länder. In den vergangenen fünf Jahren haben Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland Wärmepumpen und Elektroautos (E-Autos) für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich gemacht. So stiegen die Installationen von Wärmepumpen in Schweden um 50 Prozent – begünstigt durch Zuschüsse von bis zu 2.000 Euro pro Gerät und ermäßigte Mehrwertsteuersätze. In Norwegen nutzen mittlerweile 60 Prozent der Haushalte Wärmepumpen, unterstützt durch Fördergelder, die bis zu 30 Prozent der Installationskosten decken.
Bei der Elektromobilität ist Norwegen mit einem Marktanteil von 90 Prozent für E-Autos im Jahr 2025 führend. Dieser Erfolg basiert auf Steuerbefreiungen, gebührenfreien Mautstellen, Fährnutzung und Parkplätzen sowie dem Verzicht auf die Mehrwertsteuer für Fahrzeuge unter 500.000 norwegischen Kronen. Dänemark trieb die Verbreitung von E-Autos durch "Grüne-Auto"-Subventionen von bis zu 40 Prozent und eine verpflichtende Ladeinfrastruktur voran. Schweden und Finnland lockten mit Kaufprämien zwischen 3.000 und 6.000 Euro sowie zinsgünstigen Krediten – mit dem Ergebnis, dass die jährlichen E-Auto-Verkäufe um 40 bis 70 Prozent stiegen.
Graichen führt Deutschlands zögerlichen Fortschritt auf eine Mischung aus wirtschaftlichen Verflechtungen mit der Öl- und Gasindustrie, rechtspopulistischem Einfluss und Widerstand gegen Veränderungen zurück. Er warnt: "Die Klimakrise verschwindet nicht, nur weil man sie ignoriert." Stattdessen schlägt er Steuerreformen vor, etwa die Abschaffung der Stromsteuer und eine Neuordnung der Netzentgelte, um die Kosten für E-Autos und Wärmepumpen zu senken.
Trotz seiner Kritik bleibt er optimistisch. Er prognostiziert eine künftige Wende hin zu fortschrittlicheren Politiken – ähnlich wie in Skandinavien.
Graichens Vorschläge zielen darauf ab, saubere Energietechnologien für Verbraucher und Unternehmen leichter zugänglich zu machen. Die geplanten Steueränderungen sollen finanzielle Hürden abbauen. Die Debatte zeigt den Kontrast zwischen dem aktuellen deutschen Kurs und den rasanten Fortschritten der nordischen Energiestrategien.






