Felix Banaszak will Männer mit feministischen Ideen gewinnen – doch die Strategie wackelt
Felix MaierFelix Banaszak will Männer mit feministischen Ideen gewinnen – doch die Strategie wackelt
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, setzt sich dafür ein, dass sich Männer stärker mit feministischen Ideen auseinandersetzen. Seine jüngsten Bemühungen kommen nach Jahren der Debatte darüber, wie Geschlechterrollen sowohl Männer als auch Frauen prägen. Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund der Sorge, dass sich immer mehr junge Männer der extremen Rechten zuwenden – bei der letzten Bundestagswahl stimmten viele unter 24 Jahren für die AfD.
Doch sein Ansatz steht vor Herausforderungen. Aktuelle Vorwürfe wegen sexualisierter Gewalt gegen den Schauspieler Christian Ulmen zwingen Banaszak, seine Strategie zu überdenken, wie er Männer am besten mit progressiven Botschaften erreichen kann. Dennoch betont er, dass Männer ein Interesse an Feminismus haben sollten – und dass die Gesellschaft Räume schaffen muss, in denen sie diese Themen offen diskutieren können.
Bereits Anfang dieses Jahres versuchte Banaszak, junge Männer zu erreichen. In einem Februar-Interview mit Playboy sprach er über das Aufbrechen starrer Geschlechterklischees. Doch seine Herangehensweise musste sich weiterentwickeln. Nach den Vorwürfen von Collien Fernandes gegen Ulmen räumte Banaszak ein, dass seine Methoden möglicherweise angepasst werden müssten.
Das Thema ist nicht neu. Bereits vor 16 Jahren forderte ein „Männer-Manifest“ ähnliche Ideen – doch das Interesse blieb gering. Heute argumentiert Banaszak, dass veraltete Rollenbilder Männer genauso schädigen wie Frauen. Er fordert die Förderung von Beratungsstellen für Jungen und Männer, die deren Anliegen aufgreifen – ohne dies als Konkurrenz zu anderen Geschlechtern darzustellen.
Innerhalb der Grünen hat ihn der Deutsche Frauenrat davon überzeugt, Räume für Männer zu schaffen, in denen sie Geschlechterfragen kritisch reflektieren können. Gleichzeitig geben rechtsextreme Akteure wie der AfD-Politiker Maximilian Krah eigene Ratschläge. In einem Video vor der Europawahl 2024 rief Krah junge Männer, die Schwierigkeiten bei der Partnersuche hätten, dazu auf, „auf die richtige Seite“ zu wechseln.
Die Einstellungen zu Männlichkeit haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Vor 20 Jahren trug der Fußballtorwart Tim Wiese noch ohne öffentliche Kritik Pink auf dem Platz. Banaszak, der sein Büro pink gestrichen hat, sieht darin einen Fortschritt. Doch er weiß, dass die Debatte über bloße Symbole hinausgehen muss.
Banaszaks Initiative für eine stärkere Einbindung von Männern in den Feminismus kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die Wahlverhalten junger Männer und der Aufstieg rechtsextremer Rhetorik unterstreichen die Dringlichkeit. Seine nächsten Schritte werden sich auf die Finanzierung von Unterstützungsstrukturen und die Förderung offener Gespräche konzentrieren – dabei will er aus früheren Fehlern lernen.
Das Ziel ist klar: Männern zu zeigen, dass Feminismus nicht gegen sie gerichtet ist, sondern eine Bewegung, die sie von einengenden Normen befreien kann. Ob diese Botschaft ankommt, bleibt abzuwarten.






