Jedes vierte Logistikunternehmen kämpft mit existenziellen Finanzrisiken
Felix MaierJedes vierte Logistikunternehmen kämpft mit existenziellen Finanzrisiken
Die wirtschaftliche Lage im deutschen Transport- und Logistiksektor verschlechtert sich zusehends. Wie aus einem aktuellen Bericht des Kreditversicherers Atradius hervorgeht, ist mittlerweile jedes vierte kleine und mittlere Unternehmen in der Branche von finanziellen Risiken betroffen. Steigende Kosten, knappe Margen und verzögerte Zahlungseingänge treiben viele Firmen an den Rand des Ruins.
Im Jahr 2024 stiegen die Insolvenzzahlen in der Branche im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent. Insgesamt mussten 469 Logistikunternehmen Insolvenz anmelden, darunter 19 mit Jahresumsätzen von über 10 Millionen Euro. Die Meldungen über Zahlungsausfälle im frühen Jahr 2025 haben bereits den Fünfjahresdurchschnitt überschritten.
Besonders hart trifft es kleinere Speditionen: Hohe Dieselpreise und hohe Vorfinanzierungskosten drücken die Gewinne. Viele Unternehmen müssen den Kraftstoff im Voraus bezahlen, warten jedoch bis zu 60 Tage auf die Begleichung ihrer Rechnungen durch Kunden. Bei Margen, die oft unter drei Prozent liegen, können selbst geringe Kostenerhöhungen das Überleben gefährden.
Auch die gestiegenen Energiekosten werden voraussichtlich die Verbraucherpreise in die Höhe treiben – bei Lebensmitteln könnte der Anstieg bis zu zehn Prozent betragen. Doch nicht nur der Sprit bereitet der Branche Sorgen: Ein Mangel an Fahrpersonal, notwendige Investitionen in die Digitalisierung und der harte Wettbewerb mit osteuropäischen Konkurrenten belasten die Unternehmen zusätzlich. Zudem steigen die Lohnkosten kontinuierlich und verschärfen die Situation weiter.
Die Kombination aus Zahlungsverzögerungen, schmalen Margen und explodierenden Ausgaben zwingt immer mehr Unternehmen in die Insolvenz. Experten rechnen mit weiteren Pleiten, sofern sich die Marktbedingungen nicht bald verbessern. Der Sektor bleibt vorerst unter massivem finanziellen Druck.






