03 April 2026, 20:18

Merz' umstrittene Rückkehrpläne für Syrer lösen politische Empörung aus

Ein Plakat mit einer Karte von Syrien und Daten zu Binnenvertriebenen aufgrund von Gewalt, begleitet von Text und Grafiken.

Merz' umstrittene Rückkehrpläne für Syrer lösen politische Empörung aus

Bundeskanzler Friedrich Merz hat kürzlich behauptet, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren könnten. Die Aussage löste sofort eine Kontroverse aus – Kritiker nannten sie unrealistisch und für Geflüchtete verunsichernd. Seit 2020 haben über 230.000 Syrer die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, allein 2024 waren es mehr als 83.000.

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Merz' Ankündigung fiel während Gesprächen mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa, der später bestritt, eine solche Zusage gemacht zu haben. Al-Scharaa betonte, Rückkehrer müssten freiwillig und unter würdigen Bedingungen heimkehren; eine Repatriierung von 80 Prozent sei nur mit massiven westlichen Investitionen und wirtschaftlicher Entwicklung in Syrien möglich.

Innerhalb von 24 Stunden rückte Merz von der konkreten Zielvorgabe ab. Das Bundespresseamt korrigierte daraufhin seine Stellungnahme und präzisierte, die 80-Prozent-Marke sei ein Wunschziel al-Scharaas – nicht jedoch eine verbindliche Vereinbarung. Unterdessen verurteilten Oppositionspolitiker die Äußerungen des Kanzlers als verantwortungslos.

Der SPD-Abgeordnete Ralf Stegner bezeichnete die angestrebte Rückkehquote von 80 Prozent als "weltfremd" und verwies auf die anhaltenden Sicherheitsrisiken in Syrien. Die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg warf Merz vor, Hunderttausende deutsch-syrische Staatsbürger zu verunsichern, während die SPD-Vizevorsitzende Anke Rehlinger warnte, feste Zahlen und Fristen könnten falsche Erwartungen wecken. In Deutschland leben derzeit rund eine Million Syrer – eine 80-prozentige Rückkehr würde etwa 800.000 Menschen betreffen.

Der Streit offenbart die Spannungen in der deutschen Flüchtlingspolitik. Da keine offiziellen Zahlen zu Einbürgerungen syrischer Staatsangehöriger zwischen 2015 und April 2026 vorliegen, bleibt der Fokus auf den praktischen Herausforderungen einer Repatriierung. Kritiker argumentieren, dass ohne grundlegende Veränderungen in Syrien groß angelegte Rückführungen in absehbarer Zeit unwahrscheinlich seien.

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