Polyworking: Warum immer mehr Mittelschicht-Arbeitnehmer mehrere Jobs brauchen
Jonas SchmidtPolyworking: Warum immer mehr Mittelschicht-Arbeitnehmer mehrere Jobs brauchen
Mehrere Jobs gleichzeitig: Für viele Mittelschicht-Arbeitnehmer bitterer Alltag
Gleichzeitig mehrere Jobs ausüben zu müssen, ist für viele Arbeitnehmer aus der Mittelschicht längst Realität geworden. Dieser Trend, auch als Polyworking bekannt, spiegelt den wachsenden Kampf wider, die Lebenshaltungskosten in einem instabilen Arbeitsmarkt stemmen zu können. Eine Autorin berichtet von ihren Erfahrungen, wie sie zwei Teilzeitstellen in der Redaktion – und manchmal noch freiberufliche Aufträge – bewältigt, um überhaupt über die Runden zu kommen.
Vor einem Jahr nahm die Autorin zwei Teilzeitjobs im redaktionellen Bereich an, nachdem ihr klar wurde, dass eine einzige Stelle ihre Miete nicht decken würde. Da sich die Mieten in Deutschland in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt haben – allein in Berlin stiegen sie um 69 Prozent –, reicht selbst eine Vollzeitstelle oft nicht mehr aus, um finanzielle Sicherheit zu bieten. Die Anzahl der Teilzeitstellen in Großstädten ist seit 2020 um fast 69 Prozent gestiegen, ein deutlicher Hinweis auf den Wandel der Beschäftigungsstrukturen.
Beide ihrer aktuellen Jobs basieren auf befristeten Verträgen, was sie mit wirtschaftlicher Unsicherheit und der ständigen Drohung von Entlassungen konfrontiert. 50 bis 60 Arbeitsstunden pro Woche fordern ihren Tribut: Schlafmangel und kaum noch Zeit für ein Sozialleben sind die Folge. Die Autorin verklärt das Polyworking nicht, sieht es aber als Notwendigkeit in einem kapitalistischen, leistungsorientierten Arbeitsmarkt, in dem Prekariat weit verbreitet ist.
Eine Umfrage des Portals Academized aus dem Jahr 2025 ergab, dass mittlerweile jede zweite Person zwischen 26 und 41 Jahren mindestens einen Nebenjob ausübt. Viele Vollzeitstellen sind so schlecht bezahlt, dass Arbeitnehmer Mühe haben, grundlegende Lebenshaltungskosten zu decken – von Rücklagen für die Rente ganz zu schweigen. Für die Autorin ist Polyworking keine freiwillige Entscheidung, sondern eine Überlebensstrategie in einer Wirtschaft, in der Stabilität für immer mehr Menschen unerreichbar wird.
Der Aufstieg des Polyworkings unterstreicht die finanziellen Belastungen, denen sich die heutige Arbeitnehmerschaft gegenübersieht. Angesichts explodierender Mieten und stagnierender Löhne sind immer mehr Menschen gezwungen, mehrere Jobs gleichzeitig auszuüben, um sich das Nötigste leisten zu können. Die Situation der Autorin steht exemplarisch für einen breiten Trend – einen, in dem Arbeitsplatzsicherheit und finanzieller Wohlstand für viele in weite Ferne rücken.






