ABC stoppt erstmals eine komplette Bachelorette-Staffel nach Gewaltvorwürfen
Felix MaierABC stoppt erstmals eine komplette Bachelorette-Staffel nach Gewaltvorwürfen
ABC bricht erstmals in der Geschichte des Franchise eine gesamte Staffel von The Bachelorette ab
Zum ersten Mal in der Geschichte der Dating-Show hat der Sender ABC eine vollständige Staffel von The Bachelorette gestrichen – und das, obwohl die Dreharbeiten bereits abgeschlossen waren. Der beispiellose Schritt folgt auf die Veröffentlichung eines Videos aus dem Jahr 2023, das zeigt, wie die Protagonistin Taylor Frankie Paul ihre Ex-Partnerin in Gegenwart ihres kleinen Kindes körperlich angreift. Bisher hatte die Produktion auf Skandale meist mit nachträglichen Bearbeitungen oder Stellungnahmen reagiert, doch diesmal wurde eine fertige Staffel komplett verworfen.
Die Absage reiht sich ein in eine lange Liste von Kontroversen, die die seit Jahren laufende Dating-Serie begleiten. Seit ihrem Start steht das Format wegen mangelnder Vielfalt, unzureichender Repräsentation und des Umgangs mit rassistischen und kulturellen Themen in der Kritik.
Diversität als Dauerbaustelle Von Anfang an kämpfte das Franchise mit Vorwürfen wegen fehlender Diversität. Jahre lang prangerten Fans und Medien an, dass Menschen of Color kaum als Hauptdarsteller:innen oder prominente Kandidat:innen vertreten waren. Der erste nicht-weiße Protagonist in der US-Version, Juan Pablo Galavis, folgte erst 2014 – doch seine Staffel wurde von seinen eigenen umstrittenen Äußerungen überschattet, die später eine öffentliche Entschuldigung nach sich zogen. Internationale Ableger setzten früher auf diversere Besetzungen, doch in den USA blieb der Fortschritt zäh.
Erst unter öffentlichem Druck gelangten Meilensteine wie Rachel Lindsay, die 2017 als erste Schwarze Bachelorette Geschichte schrieb, oder Matt James, der 2020 der erste Schwarze Bachelor wurde. 2024 folgte Jenn Tran als erste asiatisch-amerikanische Protagonistin des Franchise. Doch jeder Schritt nach vorn brachte neue Debatten mit sich: Kandidat:innen of Color sahen sich häufig überproportionaler Kritik aus Teilen des Publikums ausgesetzt. Strukturelle Maßnahmen wie die Einstellung von Diversitätsberater:innen oder das Versprechen inklusiverer Castings folgten – doch Skepsis blieb, ob es sich um echten Wandel oder bloße Symbolpolitik handelte.
Skandale erschüttern das Image Weitere Affären belasteten das Franchise zusätzlich. 2021 verließ der langjährige Moderator Chris Harrison die Show, nachdem er die Kandidatin Rachael Kirkconnell verteidigt hatte, deren rassistische Social-Media-Vergangenheit aufgedeckt worden war. Eine 2019 in Singapur gedrehte Folge löste wegen kultureller Un sensibilität Empörung aus. Zuletzt führten alte, rassistisch konnotierte Posts von Protagonist:innen und Kandidat:innen zu erneuten Vorwürfen, die Produktion versage bei der Überprüfung der Teilnehmer:innen und der Aufarbeitung rassistischer Vorfälle.
Ein Bruch mit der Vergangenheit Anders als bei früheren Kontroversen, die das Franchise meist durch Schnitte oder Statements zu entschärfen versuchte, markiert die Streichung von Taylor Frankie Pauls Staffel einen radikalen Schnitt. Die Entscheidung von ABC spiegelt die Schwere der Videoaufnahmen wider, die körperliche Gewalt vor einem Kind zeigen – eine Grenze, die der Sender offenbar selbst mit einer abgedrehten Staffel nicht überschreiten wollte.
Fragen zur Zukunft des Franchise Durch den Abbruch entfällt erstmals seit Jahren eine Sommerstaffel von The Bachelorette. Gleichzeitig wirft der Schritt Fragen auf, wie das Franchise künftig mit Skandalen umgehen wird – besonders angesichts anhaltender Kritik an Casting-Praktiken, Repräsentation und Krisenkommunikation. Bisher hat ABC nicht bekannt gegeben, ob die gestrichene Staffel ersetzt wird oder ob die Produktion weiterer Staffeln pausiert.






