ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die sinkenden Quoten retten?
Anton HuberARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die sinkenden Quoten retten?
Die ARD testet derzeit eine 30-minütige Version ihrer Hauptnachrichtensendung Tagesschau, um mehr Zuschauer zu gewinnen. Der Versuch startete mit der Montagabend-Ausgabe um 20:15 Uhr und ist Teil der Bemühungen des Senders, den kontinuierlichen Rückgang der Einschaltquoten der letzten fünf Jahre umzukehren. Programmgeschäftsführer Jörg Schönenborn bezeichnete das erweiterte Format als Möglichkeit, globale Themen mit dem Alltagsleben zu verknüpfen.
Die traditionelle 15-minütige Tagesschau verlor seit 2021 kontinuierlich Zuschauer: von durchschnittlich 7,5 Millionen auf heute etwa 6,2 Millionen. Der Rückgang – jährlich etwa 5 bis 7 Prozent – spiegelt eine überalterte Zielgruppe und die wachsende Konkurrenz durch Streamingdienste wider. Die 2023 eingeführte 25-minütige Tagesschau 25 hält sich dagegen stabil bei 4,8 bis 5,2 Millionen Zuschauern, was darauf hindeutet, dass jüngere Zuschauer unter 50 Jahren ausführlichere Berichterstattung bevorzugen.
Die ARD verfolgt damit zwei Ziele: das Vertrauen in die Medien zu stärken und neue Zuschauer zu gewinnen, indem globale Nachrichten mit persönlichen und lokalen Perspektiven verbunden werden. Schönenborn sieht in dem Test eine Chance, komplexe Themen verständlicher zu vermitteln. Doch nicht alle sind überzeugt. Kritiker wie der Medienredakteur der FAZ, Michael Hanfeld, warnen, dass ein längeres Format die Quoten der ARD belasten und Konkurrenten im Primetime-Bereich verdrängen könnte. Andere, etwa die Journalistin Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung, hinterfragen, ob der Versuch, durch Alltagsgeschichten relevanter zu werden, tatsächlich neue Zuschauer anzieht.
Anna Mayr von Die Zeit vertritt eine andere Meinung: Das eigentliche Problem der Tagesschau liege nicht in ihrer Länge, sondern in ihrer Qualität. Branchenvertreter bestehen darauf, dass 15 Minuten die ideale Dauer für Nachrichten bleiben, und eine Verlängerung das Abendprogramm der ARD stören könnte. Ob die 30-minütige Version dauerhaft eingeführt wird, ist noch nicht entschieden.
Der Versuch zeigt, wie die ARD versucht, sich an veränderte Sehgewohnheiten anzupassen und dem langfristigen Zuschauerverlust entgegenzuwirken. Sollte das Experiment gelingen, könnte die längere Tagesschau die Art und Weise verändern, wie öffentlich-rechtliche Sender Nachrichten in einer Zeit fragmentierter Mediennutzung vermitteln. Eine endgültige Entscheidung über die Beibehaltung steht noch aus.






