Berlin kämpft mit 560.000 offenen Stellen bis 2035 – kann die neue Fachkräftestrategie retten?
Felix MaierMassenhafter Fachkräftemangel in Berlin droht - Berlin kämpft mit 560.000 offenen Stellen bis 2035 – kann die neue Fachkräftestrategie retten?
Berlin steht vor einer schweren Arbeitsmarktkrise: Bis 2035 müssen rund 560.000 offene Stellen besetzt werden. Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat der Berliner Senat die Berliner Fachkräftestrategie 2035 verabschiedet – einen langfristigen Plan, der die Arbeitswelt neu gestalten und das wirtschaftliche Wachstum der Zukunft sichern soll.
Im Mittelpunkt der Strategie steht die stärkere Einbindung bisher unterrepräsentierter Gruppen in den Arbeitsmarkt. Besonders Frauen, Menschen mit Behinderungen, Langzeitarbeitslose sowie Personen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte werden gezielt angesprochen. Zwar liegen für Berlin keine genauen Zahlen zur migrantischen Belegschaft vor, doch bundesweite Daten zeigen: Bis Ende 2024 waren in Deutschland etwa 6,3 Millionen ausländische Beschäftigte gemeldet, in Berlin selbst über 53.000 nicht-deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Mitte 2025.
Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern den Arbeitsmarkt grundlegend. Experten prognostizieren bis zu 100.000 neue Jobs in den Bereichen IT, Gesundheitswesen und Bildung. Gleichzeitig könnten rund 87.000 Stellen in traditionellen Branchen wie dem verarbeitenden Gewerbe oder der öffentlichen Verwaltung wegfallen. Die digitalen und kreativen Wirtschaftszweige, die 2024 einen Umsatz von 56 Milliarden Euro erwirtschafteten und 200.000 Menschen beschäftigten, gelten als zentrale Wachstumsfelder.
Haupttreiber des Fachkräftemangels ist der demografische Wandel: Immer mehr ältere Beschäftigte gehen in Rente und hinterlassen Lücken, die allein durch jüngere Arbeitskräfte nicht zu schließen sind. Auch bezahlbarer Wohnraum spielt eine Schlüsselrolle – die Stadt will qualifizierte Fachkräfte durch bessere Lebensbedingungen anziehen.
Die Berliner Fachkräftestrategie 2035 skizziert einen Fahrplan, um die Personalengpässe zu überwinden. Durch gezielte Förderung bestimmter Gruppen und die Anpassung an den technologischen Wandel hoffen die Verantwortlichen, eine stabile Arbeitsmarktlage zu schaffen. Entscheidend wird sein, den Spagat zwischen der Schaffung neuer Arbeitsplätze und der Unterstützung derer zu meistern, die von der Entwicklung abgehängt zu werden drohen.
