Bundesregierung lockert Schuldenbremse für höhere Verteidigungsausgaben
Felix MaierIMK warnt vor einer Verschuldungsquote von 100 Prozent aufgrund von Ausnahmen von der Schuldenbremse - Bundesregierung lockert Schuldenbremse für höhere Verteidigungsausgaben
Die Bundesregierung hat mit der Ausarbeitung von Reformen der Schuldenbremse begonnen, um die Kreditaufnahmeregeln für Verteidigungsausgaben zu lockern. Unter Führung von Bundeskanzler Friedrich Merz begann die Mitte-rechts-Regierung Anfang September mit der Erarbeitung der Vorschläge. Kritiker warnen jedoch, dass eine Ausnahme für Militärkosten die Staatsverschuldung bis zur Mitte des Jahrhunderts auf gefährliche Höhen treiben könnte.
Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hat Bedenken hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen geäußert. Eine aktuelle Studie des Instituts kommt zu dem Schluss, dass das Verhältnis von Schulden zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) ohne strengere Kontrollen bis 2050 auf fast 100 Prozent ansteigen könnte – gegenüber heute 65 Prozent.
Die von der Regierung geplante Verfassungsänderung, die für das Frühjahr 2025 vorgesehen ist, würde neue Kredite zur Finanzierung höherer Verteidigungsausgaben ermöglichen. Nach der derzeitigen Schuldenbremse gelten solche Ausgaben als öffentlicher Verbrauch, der kaum langfristige wirtschaftliche Vorteile bringt. Im Gegensatz zu Investitionen in Infrastruktur oder Klimaschutz trägt Militärhaushalt laut IMK nur marginal zum Wachstum bei.
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, kritisiert die Reform als fehlerhaft. Seiner Meinung nach schränkt sie die Investitionsflexibilität ein, während sie dem Verteidigungsbereich eine unbegrenzte Kreditausnahme gewährt. Die Analyse des Instituts zeigt, dass eine vollständige Ausschöpfung des Sondervermögens für Klima und Infrastruktur das BIP bis zur Mitte der 2040er-Jahre um 1,4 Prozent steigern könnte – und das bei nur moderatem und vorübergehendem Anstieg der Staatsverschuldung.
Dr. Daniel Stelter, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Wirtschaftspolitik, lehnt die dauerhafte Ausnahme für Verteidigungsausgaben ab. Stattdessen befürwortet er eine einmalige Vermögensabgabe auf große Vermögen, um die steigenden Militärkosten zu decken. Das IMK betont, dass nur zusätzliche Staatsinvestitionen – nicht jedoch laufende Rüstungsausgaben – für eine langfristige Schuldenfinanzierung infrage kommen sollten.
Ohne solche Schutzmechanismen warnt das IMK vor einem dramatischen Anstieg der Staatsverschuldung. Die Prognosen des Instituts deuten auf einen möglichen Anstieg der Schuldenquote um 35 Prozentpunkte hin, falls die Verteidigung weiterhin von den Haushaltsregeln ausgenommen bleibt.
Die Debatte über die Reform der Schuldenbremse dreht sich um die Frage, wie militärische Erfordernisse mit wirtschaftlicher Stabilität in Einklang zu bringen sind. Sollte die Änderung verabschiedet werden, würde dies eine bedeutende Wende in der deutschen Kreditpolitik markieren. Die Regierung steht nun unter Druck, sicherzustellen, dass mögliche Änderungen die öffentlichen Finanzen langfristig nicht destabilisieren. Die Erkenntnisse des IMK unterstreichen die Risiken unkontrollierter Ausnahmen für den Verteidigungshaushalt und stellen die Politik vor eine entscheidende Weichenstellung bei der Festlegung der Finanzprioritäten.
