CDU Hessen leitet Ausschlussverfahren nach AfD-Bündnis in Biebesheim ein
Anton HuberCDU Hessen leitet Ausschlussverfahren nach AfD-Bündnis in Biebesheim ein
Die hessische CDU hat Parteimitglieder disziplinarisch belangt, die sich in einer Kommunalabstimmung mit der AfD verbündet hatten. Der Schritt folgt einer gemeinsamen Kandidatenliste, die CDU- und AfD-Vertreter in Biebesheim am Rhein eingereicht hatten. Die Parteiführung verurteilte die Zusammenarbeit als Bruch langjähriger Grundsätze.
Der Streit begann, als CDU- und AfD-Gemeinderäte in Biebesheim am Rhein eine gemeinsame Liste für die Wahl ehrenamtlicher stellvertretender Bürgermeister aufstellten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth versuchte über dieses Bündnis, einen Posten für seine Partei zu sichern. Nach anfänglichen Differenzen einigten sich beide Gruppen auf einen Vorschlag, woraufhin der AfD-Kandidat Bernd Kahnert in den Gemeindevorstand gewählt wurde.
Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau hat nun Ausschlussverfahren gegen die Beteiligten eingeleitet. Kreisvorsitzender Stefan Sauer verwies auf einen 2018 gefassten und 2020 bestätigten Parteibeschluss, der eine Zusammenarbeit mit der AfD explizit untersagt. Hessens CDU-Generalsekretär Leopold Born unterstützte das schnelle Vorgehen und forderte "sofortige und konsequente" Maßnahmen gegen Mitglieder, die gegen die Regel verstoßen hätten.
Die CDU bezeichnete die gemeinsame Abstimmung als "spontan und unabgestimmt", betonte aber, eine solche Kooperation nicht zu dulden. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) ergab, dass es in fast 19 Prozent von 5.000 inhaltlichen Abstimmungen zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 direkte Zusammenarbeit zwischen der AfD und anderen Parteien gab. Die Untersuchung zeigte zudem, dass vor allem fraktionslose Gemeinderäte und kleinere Parteien mit der AfD kooperierten.
In Biebesheim war die CDU-AfD-Liste eine Reaktion auf ein gemeinsames Wahlbündnis von SPD, Grünen und Freien Wählern, die 17 der 31 Gemeinderatssitze halten. Die disziplinarischen Schritte der CDU unterstreichen ihre ablehnende Haltung gegenüber einer Zusammenarbeit mit der AfD. Den Beteiligten droht nun der Parteiausschluss. Der Fall verdeutlicht die anhaltenden Spannungen um lokale politische Bündnisse in Hessen.






