Cem Özdemir wird erster Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln in Deutschland
Jonas SchmidtSein Leben in Bildern: Das ist Cem Özdemir - Cem Özdemir wird erster Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln in Deutschland
Cem Özdemir hat Geschichte geschrieben: Als erster Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln übernimmt er nun die Regierungsgeschäfte in Deutschland. Sein Wahlsieg in Baden-Württemberg krönt eine politische Karriere, die von Erfolgen und Kontroversen geprägt ist. Die Grünen setzten sich mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur einem halben Prozentpunkt gegen die CDU durch.
Özdemirs politischer Aufstieg begann 1994, als er als erster Abgeordneter türkischer Herkunft in den Deutschen Bundestag einzog. Später avancierte er zu einem der einflussreichsten Köpfe der Grünen und führte die Partei ein Jahrzehnt lang als Co-Vorsitzender. Doch 2002 erlebte seine Karriere einen Rückschlag, als er wegen einer Bonusmeilen-Affäre und eines privaten Kredits zurücktrat. Es folgte ein vorübergehender Rückzug in die USA, bevor er über das Europäische Parlament (2004–2009) auf die politische Bühne zurückkehrte.
In der Bundespolitik holte Özdemir 2013 ein Bundestagsmandat und wurde später Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft (2021–2025) – eine Amtszeit, die von Bauernprotesten begleitet war. Kurzzeitig leitete er auch das Bildungsressort. Im Wahlkampf positionierten die Grünen ihn als ihren Spitzenkandidaten und warben mit Slogans wie "Er packt's an", um seine Führungsstärke zu betonen.
Sein Aufstieg festigte sich durch gemeinsame Auftritte mit dem scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der Özdemir als natürlichen Nachfolger aufbaute. Obwohl Grünen und CDU im Landtag nun gleichauf liegen, sicherte ihm der knappe Sieg die Spitze.
Das Wahlergebnis unterstreicht Özdemirs politische Widerstandsfähigkeit nach Jahren der Höhen und Tiefen. Als neuer Regierungschef Baden-Württembergs steht er vor der Herausforderung, mit einem fast paritätisch gespaltenen Parlament zu regieren. Seine Ernennung markiert zudem einen Meilenstein für die Repräsentation in der deutschen Politik.
