Deutsche Industrie bricht 127.300 Jobs im ersten Quartal 2026 weg – der Abwärtstrend hält an
Jana SimonDeutsche Industrie bricht 127.300 Jobs im ersten Quartal 2026 weg – der Abwärtstrend hält an
Deutsche Industrie verliert 127.300 Arbeitsplätze im ersten Quartal 2026
In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 hat die deutsche Industrie 127.300 Stellen abgebaut – ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit setzt sich ein langfristiger Abwärtstrend fort: Seit 2019 sind in dem Sektor insgesamt 341.500 Arbeitsplätze gestrichen worden.
Hohe Lohnkosten, übermäßige Bürokratie und teure Energie veranlassen immer mehr große deutsche Unternehmen, Produktion und Forschung ins Ausland zu verlagern. Die Arbeitskosten liegen hierzulande 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt und sind mehr als doppelt so hoch wie in Asien oder Osteuropa.
Erst kürzlich kündigte Evonik an, weitere 3.200 Stellen abzubauen – vor allem an deutschen Standorten. Nur 16 Prozent der Unternehmen planen, in Deutschland zusätzliches Personal einzustellen; in Westeuropa zeigt sich ein ähnliches Bild.
Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets bis 2030 sollen zwar in Deutschland bleiben, vor allem für die Instandhaltung bestehender Anlagen und die Automatisierung. Neue Kapazitäten und Arbeitsplätze entstehen jedoch zunehmend in ausländischen Märkten. Fast jedes befragte Industrieunternehmen will bis 2030 seine Aktivitäten in Indien ausbauen – bei einem erwarteten Umsatzwachstum von durchschnittlich 4 Prozent, aber mit nur wenigen neuen Jobs.
Unterbrechungen in den Lieferketten bleiben das größte operationelle Risiko für die Unternehmen. Viele setzen daher auf eine „Local-for-Local“-Strategie, um ihre Abhängigkeit von globalen Netzwerken zu verringern. Fast die Hälfte der befragten Firmen beabsichtigt zudem, mehr Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in andere Regionen zu verlagern.
Die deutsche Industrie schrumpft weiter, und der Arbeitsplatzabbau hat sich zu Beginn des Jahres 2026 noch beschleunigt. Unternehmen verlagern Investitionen und Betriebsstätten in günstigere, flexiblere Märkte. Sollten sich die Rahmenbedingungen nicht verbessern, ist mit weiteren Kürzungen bei Beschäftigung und Kapazitäten im Inland zu rechnen.
