Ex-Mitarbeiter enthüllt Missstände im Bremer Jobcenter – und verliert seinen Job
Jana SimonEx-Mitarbeiter enthüllt Missstände im Bremer Jobcenter – und verliert seinen Job
Ein ehemaliger Mitarbeiter des Bremer Jobcenters hat für Aufsehen gesorgt, nachdem er in einer ZDF-Dokumentation über das Bürgergeld-System aufgetreten war. Fred Göcken, der mehr als zwei Jahrzehnte in der Verwaltung gearbeitet hatte, wurde nach seiner kritischen Äußerungen im Fernsehen entlassen. Seine Vorwürfe wegen weitverbreiteten Betrugs und systemischer Versägen haben nun eine scharfe Reaktion der örtlichen Behörden ausgelöst.
In dem ZDF-Bericht beschrieb Göcken die Jobcenter als ein sich selbst erhaltendes System. Er argumentierte, dass Leistungsbezieher oft in endlosen Umschulungsmaßnahmen feststecken, anstatt eine stabile Beschäftigung zu finden. Seine auffälligste Behauptung war, dass 30 bis 40 Prozent der Empfänger falsche Angaben machen, um weiterhin Leistungen zu erhalten.
Göcken enthüllte zudem, dass er in seiner Position keine Sanktionen mehr gegen Personen verhängen durfte, die Termine versäumten. Kurz nach Ausstrahlung der Dokumentation wurde er entlassen – eine Entscheidung, die er nun vor Gericht anfechten will, indem er die Stadt Bremen verklagt.
Claudia Schilling, Bremens Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration, wies Göckens Vorwürfe entschieden zurück. Sie bezeichnete seine Betrugsschätzungen als völlig haltlos und betonte, dass bestehende Kontrollmechanismen Missbrauch bereits entgegenwirken. Zwar räumte Schilling die Herausforderungen bei der Integration in den Arbeitsmarkt ein, bestritt jedoch, dass das System Leistungsbezieher ausnutze, wie Göcken behauptet hatte.
Während seiner Zeit im Jobcenter sah Göcken die Auszahlung von Geldern als Hauptaufgabe der Behörde an. Seine Aussagen spiegelten eine interne Perspektive wider, die die finanzielle Verteilung über langfristige Beschäftigungslösungen stellte.
Göckens Entlassung erfolgte nach seiner öffentlichen Kritik an den Abläufen im Bremer Jobcenter. Seine Klage wird prüfen, ob die Kündigung gerechtfertigt war, während die Behörden darauf bestehen, dass seine Betrugsvorwürfe unbelegt seien. Der Streit wirft grundsätzliche Fragen auf, wie Sozialsysteme Unterstützung und Betrugsprävention in Einklang bringen.






