EZB plant Notfallstrategie gegen drohende Stagflation durch Iran-Konflikt und Ölpreisschock
Anton HuberEZB plant Notfallstrategie gegen drohende Stagflation durch Iran-Konflikt und Ölpreisschock
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen dreistufigen Plan vorgelegt, um mögliche Energieschocks im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt zu bewältigen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte die Strategie vor, während steigende Ölpreise die Eurozone in wirtschaftliche Unsicherheit treiben. Die aktuellen Rohölkosten liegen nahe an den pessimistischsten Prognosen der EZB und wecken Sorgen vor Stagflationsrisiken im Jahr 2026.
Laut der jüngsten Ölpreisanalyse der EZB bewegen sich die aktuellen Kosten in einer Hochrisikozone – nahe dem 95. Perzentil der erwarteten Werte. Im ungünstigsten Szenario würde die Wirtschaft der Eurozone für den Rest des Jahres 2026 stagnieren, bevor sie sich Ende 2028 langsam erholt. Ein schwerwiegenderer Energieschock könnte eine leichte Rezession auslösen, bei der die Gesamtinflation kurzfristig auf etwa 4 % hochschnellt, sich dann aber schnell wieder beruhigt, während die Kerninflation weitgehend unberührt bliebe.
Lagardes erster Schritt sieht vor, kurzfristige Energiespreisspitzen zu ignorieren. Die EZB argumentiert, dass geldpolitische Maßnahmen zu spät kämen und die Situation durch Verzögerungen bei der Umsetzung sogar verschlimmern könnten. Falls die Inflation das Ziel vorübergehend übersteigt, ermöglicht der zweite Teil der Strategie vorsichtige Anpassungen der Geldpolitik, um Fehlkommunikationsrisiken zu vermeiden.
Bei anhaltenden und schweren Abweichungen der Inflation erfordert der dritte Schritt eine entschlossenere und nachhaltigere Reaktion, um zu verhindern, dass die Inflationserwartungen außer Kontrolle geraten. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane verglich den Entscheidungsprozess mit einem geordneten Probit-Modell, bei dem die Bedingungen zunächst in die Kategorien "schlecht", "hässlich" oder "katastrophal" eingeordnet werden, bevor gehandelt wird.
Die EZB rechnet damit, dass die Inflation 2026 vorübergehend ansteigen wird, bevor sie sich 2027 stabilisiert. Andauernde Ölpreisschübe durch den Iran-Konflikt könnten jedoch das Wachstum schwächen und gleichzeitig die Preise in die Höhe treiben, was die Stagflationsängste weiter verschärfen würde.
Die Strategie der EZB balanciert zwischen kurzfristiger Geduld und der Bereitschaft zu entschlossenem Handeln, sollten die Inflationsrisiken bestehen bleiben. Da die Ölpreise weiterhin nahe den worst-case-Szenarien verharren, bleibt die Eurozone anfällig für anhaltende wirtschaftliche Stagnation. Die nächsten Schritte der Bank hängen davon ab, wie sich die Energiemärkte in den kommenden Monaten entwickeln.






