Frauen prägen Deutschlands Apotheken: Fast 90 Prozent aller Jobs in ihrer Hand
Felix MaierFrauen prägen Deutschlands Apotheken: Fast 90 Prozent aller Jobs in ihrer Hand
Frauen dominieren Deutschlands Apothekenbranche – fast neun von zehn Jobs sind in ihrer Hand
Aktuelle Zahlen der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zeigen: 89,2 Prozent aller Beschäftigten in Apotheken sind Frauen. Dieser Trend erstreckt sich von Auszubildenden bis zu voll approbierten Pharmazeutinnen – in nahezu jeder Position stellen Frauen die überwältigende Mehrheit.
Der Wandel hin zu einer von Frauen geprägten Belegschaft vollzieht sich seit 2010 kontinuierlich. Damals waren etwa 65 Prozent der Apothekenmitarbeiterinnen weiblich. Bis 2025 stieg dieser Anteil auf über 75 Prozent, angetrieben vor allem durch den zunehmenden Frauenanteil in pharmazeutischen Studiengängen. Heute sind 74,1 Prozent der approbierten Apothekerinnen Frauen, bei den Pharmaziestudierenden im Praktischen Jahr (PhiP) liegt der Frauenanteil bei 74,8 Prozent. Noch deutlicher fällt die Dominanz in den Assistenzberufen aus: 96,6 Prozent der Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen (PTA) und 97,5 Prozent der Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA) sind weiblich.
Verbesserte Arbeitsbedingungen als Treiber des Wandels Ein zentraler Faktor für diese Entwicklung sind Reformen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das 2015 eingeführte Apothekenarbeitszeitgesetz ermöglichte flexiblere Schichtplanungen. Seit 2012 setzt sich die ABDA für gleiche Bezahlung und den Ausbau der Kinderbetreuung ein. 2020 startete der Bundesapothekerverband ein Mentoring-Programm für Frauen und führte erweiterte Teilzeitmodelle ein. Weitere Neuerungen erkennen Pflegezeiten bei der Rentenberechnung an und bieten anpassungsfähigere Arbeitszeiten.
Trotz Fortschritten: Lohnungleichheit und Care-Arbeit bleiben Herausforderungen Doch bleiben strukturelle Probleme bestehen. Die allgemeine Gender-Pay-Gap in Deutschland liegt bei 16 Prozent – Frauen verdienen in vergleichbaren Positionen 4,10 Euro weniger pro Stunde als Männer. Zudem tragen sie außerhalb des Jobs weiterhin zwei Drittel der Kinderbetreuung, den Großteil der Hausarbeit und den Löwenanteil der Pflege von Angehörigen. Apothekenmitarbeiterinnen selbst meistern ein breites Aufgabenspektrum: von der Patientenberatung über Arzneimittelsicherheitsprüfungen bis hin zu administrativen Tätigkeiten – oft weit über die reguläre Arbeitszeit hinaus.
Fazit: Eine Branche im Wandel – doch Gleichstellung ist noch nicht erreicht Die Apothekenlandschaft in Deutschland ist heute geprägt von Frauen, die von der Auszubildenden bis zur Führungsposition nahezu alle Rollen besetzen. Reformen in Arbeitszeitgestaltung, Entgeltgleichheit und Kinderbetreuung haben diesen Trend gefördert. Dennoch prägen Lohnungerechtigkeiten und ungleiche Care-Verpflichtungen weiterhin den Alltag der Beschäftigten – und zeigen, dass der Weg zur vollen Gleichstellung noch nicht abgeschlossen ist.
