Gericht zwingt YouTube zu klareren Regeln für gesponserte Influencer-Videos
Jana SimonGericht: YouTube-Werbung muss klar als solche gekennzeichnet werden - Gericht zwingt YouTube zu klareren Regeln für gesponserte Influencer-Videos
Ein deutsches Gericht hat entschieden, dass YouTube die Kennzeichnung von gesponserten Videos verbessern muss. Die Entscheidung folgt einer Beschwerde über ein Video eines Finanzinfluencers, der eine Brokerage-App beworben hatte. Das Landgericht Bamberg befand die aktuellen Hinweise als zu vage und schwer erkennbar.
Die Klage wurde von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eingereicht und betrifft ein Video, in dem die Sponsoring-Informationen lediglich in der Beschreibung – nicht aber im Video selbst – zu finden waren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann noch angefochten werden (Aktenzeichen: 1 HK O 19/25).
Das Gericht prüfte ein Video eines sogenannten Finfluencers, das eine Handelsplattform bewarb. Zwar wurde der Sponsoring-Hinweis in der Videobeschreibung erwähnt, doch das Gericht hielt dies für unzureichend. Auch ein kurzer, nur zehn Sekunden langer Hinweis im Video selbst wurde als nicht ausreichend bewertet.
Nach dem Digital Services Act (DSA) der EU muss Werbung "in Echtzeit klar erkennbar" sein. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass das Video diese Anforderung nicht erfüllte, da Zuschauer die Sponsoring-Informationen vollständig übersehen könnten. YouTubes bestehende Richtlinien verlangen bereits eine klare Offenlegung in Videos, Beschreibungen, Livestreams und Profilen – doch das Gericht stellte fest, dass diese Regeln in diesem Fall nicht ausreichend umgesetzt wurden.
YouTube hat inzwischen auf das Urteil reagiert. Ein Sprecher erklärte, die Plattform werde die vollständige Entscheidung prüfen, sobald sie vorliege, bevor über das weitere Vorgehen entschieden werde. Das Unternehmen hatte seine Richtlinien bereits im November 2023 aktualisiert und verlangt seitdem von Creators, KI-generierte Inhalte zu kennzeichnen und sicherzustellen, dass Sponsoring in allen Formaten deutlich sichtbar ist.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hatte die rechtliche Initiative ergriffen. Ihr Argument konzentrierte sich auf den Schutz der Zuschauer vor versteckter Werbung, insbesondere bei Finanzprodukten, bei denen Transparenz entscheidend ist.
Das Urteil erhöht den Druck auf YouTube, strengere Regeln für die Kennzeichnung gesponsorter Inhalte durchzusetzen. Sollte es Bestand haben, könnte dies zu klareren und besser sichtbaren Hinweisen in Videos auf der gesamten Plattform führen. Der Fall unterstreicht zudem die zunehmende Überprüfung von Influencer-Marketing im Rahmen der digitalen EU-Regulierungen.