17 March 2026, 00:36

Gewalt gegen Zugbegleiter: Warum die Deutsche Bahn ihre Mitarbeiter nicht mehr schützen kann

Ein Plakat mit einer detaillierten Karte der Kampagnen der 45. Infanteriedivision im Rheinland, farbkodierte Divisionen und begleitender Text, der die Kampagnen, Divisionennamen und Schlachttermine beschreibt.

Gewalt gegen Zugbegleiter: Warum die Deutsche Bahn ihre Mitarbeiter nicht mehr schützen kann

Zugbegleiter in Deutschland sehen sich wachsender Bedrohung und Gewalt im Dienst ausgesetzt. Der Tod eines Kollegen bei einer routinemäßigen Fahrkartenkontrolle hat die Ängste unter den Mitarbeitern der deutschen bahn weiter verschärft. Viele beschreiben ihren einst berechenbaren Beruf mittlerweile als zunehmend gefährlich.

Allein im vergangenen Jahr wurden über 3.000 Angriffe auf Bahnmitarbeiter registriert – fast doppelt so viele wie noch vor einem Jahrzehnt. Zugbegleiter berichten, dass Fahrgäste aggressiver geworden seien und sie während ihrer Schichten schutzlos zurückließen.

Nicole Arnold, die seit über 30 Jahren als Zugbegleiterin arbeitet, hat eine deutliche Veränderung im Umgang der Fahrgäste mit dem Personal der deutschen bahn festgestellt. Mittlerweile trägt sie eine Körperkamera, um Aggressionen abzuwehren – eine Vorsichtsmaßnahme, die sie früher nie benötigte. Die Uniform, die einst Respekt einflößte, scheint heute oft Feindseligkeit zu provozieren.

Die Tötung von Serkan C. bei einer Ticketkontrolle erschütterte die bahnde community. Jalal Youssef, ein syrischer Geflüchteter, der als Zugbegleiter arbeitet, liebt seinen Beruf nach wie vor, gibt aber zu, dass die Risiken gestiegen sind. Sowohl er als auch Arnold beschreiben ihre Schichten als unberechenbar – nie wisse man, wann eine harmlose Interaction gewalttätig eskalieren könnte.

Laut Polizeistatistik gab es 2022 insgesamt 1.604 Angriffe auf Bahnmitarbeiter und Bundesbeamte, wobei die genauen Zahlen für Zugbegleiter allein unklar bleiben. Besonders betroffen sind bestimmte Regionen: In Nordostdeutschland (einschließlich Berlin und Brandenburg) wurden 2025 allein 111 körperliche Übergriffe verzeichnet, während es in Rheinland-Pfalz/Saarland nahe Kaiserslautern einen tödlichen Vorfall gab. In Pforzheim und Mühlacker haben sich die Angriffe in den letzten Jahren verdoppelt.

Auch Fahrgäste nehmen die angespannte Stimmung in den Zügen wahr. Viele erkennen die Herausforderungen an, denen das Personal der deutschen bahn gegenübersteht – doch von einer Entspannung der Lage ist nichts zu spüren. Zugbegleiter wie Arnold und Youssef fordern nun besseren Schutz, mehr Kollegen pro Schicht und modernere Technik, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.

Die Zunahme der Übergriffe zwingt die Mitarbeiter zu Anpassungen – einige setzen mittlerweile auf Körperkameras als Schutz. Der Tod von Serkan C. bleibt eine düstere Mahnung an die täglichen Gefahren, denen sie ausgesetzt sind. Ohne entschlossenes Handeln dürften die Risiken für Bahnmitarbeiter der deutschen bahn weiter bestehen.

AKTUALISIERUNG

Bahn Ankündigt Umfassende Sicherheitsmaßnahmen Nach Tragischem Angriff

Im Anschluss an den tödlichen Angriff auf Serkan Ç. hat das deutsche Schienennetz dringende Sicherheitsreformen bekannt gegeben. Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • Bodycams für alle kundenorientierten Mitarbeiter bis zum Ende des Jahres
  • 200 zusätzliche Sicherheitspersonal an Bahnhöfen eingesetzt
  • Notfallknöpfe für Soforthilfe bei Bedrohungen
  • ID-Prüfungen ab März 2026 abgeschafft, um Konflikte zu reduzieren