Pharmakonzern zwischen Roundup-Klagen und Kerendia-Hoffnung auf Wachstum
Jonas SchmidtPharmakonzern zwischen Roundup-Klagen und Kerendia-Hoffnung auf Wachstum
Ein großer Pharmakonzern steht vor einer Mischung aus juristischen Herausforderungen und medizinischen Durchbrüchen. Anleger verfolgen zwei zentrale Entwicklungen mit großer Aufmerksamkeit: eine bevorstehende Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA zu Warnhinweisen auf Roundup sowie eine geplante Ausweitung der Zulassung für sein Nierenmedikament Kerendia. Trotz hoher finanzieller Verluste durch Klagen ist der Aktienkurs des Unternehmens dank positiver klinischer Ergebnisse gestiegen.
Das Medikament Kerendia (Finerenon) zeigt vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von nicht-diabetischer chronischer Nierenerkrankung (CKD). Eine aktuelle klinische Studie erreichte ihr Hauptziel, was den Weg für einen Antrag bei der US-Arzneimittelbehörde FDA ebnet, um den zugelassenen Anwendungsbereich des Wirkstoffs zu erweitern. Ursprünglich wurde Kerendia 2021 (USA) und 2022 (EU) für CKD-Patienten mit Typ-2-Diabetes zugelassen – die neue Studie konzentriert sich im Gegensatz zu früheren Untersuchungen auf nicht-diabetische Patienten und eröffnet damit ein größeres Marktpotenzial.
Die rechtlichen Belastungen bleiben jedoch bestehen. Der US-Supreme Court wird am 1. April 2026 mündliche Verhandlungen zu den Warnhinweisen auf Roundup führen, eine Entscheidung wird bis Mitte Juni erwartet. Gleichzeitig beobachten Anleger eine geplante Exekutivverfügung, die die Versorgung mit Glyphosat – einem zentralen Bestandteil von Roundup – sichern soll. Der Finanzbericht 2025 des Unternehmens wies einen Nettoverlust von 3,6 Milliarden Euro und eine Nettoverschuldung von fast 30 Milliarden Euro aus, hauptsächlich bedingt durch Prozesskosten.
Trotz dieser Herausforderungen hält sich die Pharmasparte stabil. Nach Bekanntgabe der Kerendia-Studienergebnisse stieg die Aktie um 4,71 % auf 40,25 Euro, was das Vertrauen in das Wachstumspotenzial des Medikaments widerspiegelt. Auf der Hauptversammlung am 1. April 2026 wird über eine Dividende von 0,11 Euro pro Aktie abgestimmt.
Die nächsten Schritte des Konzerns hängen von zwei entscheidenden Faktoren ab: dem Urteil des Supreme Courts zu Roundup und der regulatorischen Zulassung für die erweiterte Anwendung von Kerendia. Eine erfolgreiche Ausweitung der Indikation könnte die Marktchancen des Medikaments deutlich verbessern. Die finanzielle Erholung des Unternehmens wird jedoch davon abhängen, wie schnell die anhaltenden Rechtsstreitigkeiten beigelegt und die Schuldenlast bewältigt werden können.