IOC verkauft umstrittenes T-Shirt zu den Berliner Olympischen Spielen 1936
Anton HuberIOC Shop verkauft 'Nazi-Spiele'-T-Shirt in Berlin - IOC verkauft umstrittenes T-Shirt zu den Berliner Olympischen Spielen 1936
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verkauft in seinem Online-Shop ein T-Shirt, das die Olympischen Spiele 1936 in Berlin feiert. Das Design zeigt die Quadriga des Brandenburger Tors sowie eine lorbeerbekränzte Statue von Arno Breker – einem Bildhauer, der vom NS-Regime protegiert wurde. Kritiker werfen dem Shirt vor, die düstere politische Geschichte der Spiele zu ignorieren.
Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, oft als "Nazi-Spiele" bezeichnet, wurden von Adolf Hitler als Propagandainstrument genutzt. Sie fanden nach Verabschiedung der Nürnberger Gesetze und während des Betriebs der ersten Konzentrationslager statt und dienten als globale Bühne für die NS-Ideologie. Dennoch sind die Spiele auch durch die vier Goldmedaillen von Jesse Owens in Erinnerung geblieben, die Hitlers Rassentheorien von der Überlegenheit der "arischen Rasse" widerlegten.
Die öffentliche Wahrnehmung der Spiele von 1936 hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Während sie zunächst als sportlicher Erfolg galten, werden sie heute vor allem für ihre Rolle bei der Propagierung der NS-Herrschaft und rassistischer Politik kritisiert. So wurden etwa 600 Sinti und Roma vor den Spielen in das Lager Marzahn deportiert. Aktuelle Debatten, die oft Owens' Triumphe thematisieren, verweisen regelmäßig auf diese Widersprüche.
Das T-Shirt-Design geht auf diesen Kontext mit keinem Wort ein. Klara Schedlich, Sportpolitikerin der Grünen, nannte die fehlende kritische Einordnung "problematisch und unangemessen". Beobachter warnen, das Shirt könnte aufgrund seiner nostalgischen, kontextlosen Symbolik besonders bei rechtsextremen und rechten Kreisen Anklang finden.
Die Entscheidung des IOC, das T-Shirt zu verkaufen, stößt auf Kritik, da sie die politische Brisanz der Spiele von 1936 ignoriert. Der Verzicht auf historische Einordnung steht in krassem Gegensatz zum heutigen Verständnis der Veranstaltung. Zugleich wirft die mögliche Beliebtheit des Shirts in rechtsextremen Kreisen weitere Fragen auf.
