Kritik an bezahlten Online-Krankmeldungen: Ärzte fordern strengere Regeln für digitale Atteste
Anton HuberKrankschreibung: Hausärzte kritisieren Online-Krankschreibungen gegen Geld scharf - Kritik an bezahlten Online-Krankmeldungen: Ärzte fordern strengere Regeln für digitale Atteste
Hausärzte in Deutschland äußern zunehmend Bedenken gegenüber kostenpflichtigen Online-Krankmeldungen, die von kommerziellen Anbietern ausgestellt werden. Diese Dienste, die für 20 bis 30 Euro beworben werden, ermöglichen es Patienten, nach einem kurzen Videogespräch – oft ohne vorherige Arzt-Patienten-Beziehung – eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu erhalten. Kritiker werfen den Anbietern vor, rechtliche Grauzonen auszunutzen und die Qualität der medizinischen Versorgung zu untergraben.
Markus Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbands, fordert schärfere Regulierungen für solche Angebote. Er kritisierte die aggressive Werbung für schnelle Krankmeldungen und warnte, dass Videokonsultationen denselben Einschränkungen unterliegen sollten wie telefonische Anamnesen. Zu seinen Forderungen gehört ein Verbot für kommerzielle Anbieter, Atteste an ihnen unbekannte Patienten auszustellen.
Auch der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich zu Wort gemeldet und unterstützt strengere Vorschriften. Er verwies auf rechtliche Lücken, die es Anbietern ermöglichen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ohne bestehende Arzt-Patienten-Beziehung auszustellen. Lauterbach besteht darauf, dass solche Bescheinigungen ausschließlich von Haus- oder Fachärzten ausgestellt werden sollten, die den Patienten bereits behandeln. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen Plattformen, die nach minimalen Videogesprächen Krankmeldungen ausstellen. Diese Dienste bewegen sich in rechtlichen Grauzonen und lösen Forderungen nach staatlichem Eingreifen aus, um die Schlupflöcher zu schließen.
Die Debatte setzt die Bundesregierung unter Handlungsdruck. Strengere Regeln könnten Online-Krankmeldungen auf Ärzte beschränken, die bereits eine Behandlungbeziehung zum Patienten haben. Ohne Änderungen warnen Kritiker, dass das System weiterhin für Missbrauch durch kommerzielle Anbieter offenbleibt.
