Mercedes-Chef Källenius warnt vor Deutschlands wirtschaftlichem Abstieg
Jonas SchmidtMercedes-Chef warnt vor politischem Rechtsruck - Mercedes-Chef Källenius warnt vor Deutschlands wirtschaftlichem Abstieg
Ola Källenius, der Vorstandsvorsitzende von Mercedes-Benz, hat eine drastische Warnung vor der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands ausgesprochen. Sein Vorwurf: Das Land befinde sich seit mehr als einem Jahrzehnt auf dem falschen Weg – und ohne dringende Kurskorrektur werde der Niedergang weiter voranschreiten.
Källenius verweist auf eine langjährige Stagnation und argumentiert, dass die deutsche Wirtschaftspolitik seit etwa zehn bis fünfzehn Jahren versage. Besonders besorgniserregend sei das schwache Produktivitätswachstum: Während die USA und China jährliche Zuwächse von 2–3 % bzw. 5–7 % verzeichnen, liege Deutschland in den vergangenen fünf Jahren bei nur 0,5–1 %. Hohe Energiekosten, übermäßige Bürokratie und zögerliche Digitalinvestitionen seien laut Analysen der OECD und des IWF die Hauptgründe für diesen Rückstand.
Der Mercedes-Chef kritisiert zudem die hohen Lohnkosten in Deutschland, die seiner Meinung nach nicht mehr durch eine entsprechend starke Produktivität ausgeglichen würden. Warnt er doch, dass Kapital weiter ins Ausland abfließen werde, solange das Land nicht unternehmerfreundlicher werde und Investitionen attraktiver gestalte. Ein weiteres Problem sieht er in einer nachlassenden Arbeitsmoral der Deutschen – auch wenn er einräumt, dass Teilzeitarbeit in manchen Fällen durchaus berechtigt sei.
Källenius fordert eine grundlegende Reform der europäischen Industriepolitik. Statt auf Vorgaben und Strafen zu setzen, plädiert er für marktgetriebene Anreize und mehr Investitionen in die Infrastruktur. Ohne solche Reformen, so seine Prognose, werde der Einfluss rechtspopulistischer Kräfte weiter wachsen, da die wirtschaftliche Unzufriedenheit zunehme.
Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland unter zunehmendem Druck steht, den wirtschaftlichen Abwärtstrend umzukehren. Källenius betont, dass die größte Volkswirtschaft Europas ohne sofortiges Handeln weiter an Boden gegenüber der globalen Konkurrenz verlieren werde. Seine Äußerungen deuten zudem an, dass politische Instabilität drohe, sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen.
