Milo Rau inszeniert einen spektakulären "Prozess gegen Deutschland" in Hamburg
Anton HuberRegisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert einen spektakulären "Prozess gegen Deutschland" in Hamburg
Regisseur Milo Rau beendet die diesjährigen Hamburger Lessingtage mit einem gewagten Bühnenspektakel
Der Schweizer Regisseur Milo Rau wird die diesjährigen Hamburger Lessingtage mit einem kühnen theatralischen Experiment abschließen: Sein dreitägiger "Prozess gegen Deutschland" ist das erste Mal, dass er eines seiner provokanten Scheingerichtsverfahren in Deutschland inszeniert. Im Mittelpunkt steht eine brisante politische Frage: Sollte die rechtspopulistische AfD verboten werden?
Die Hamburger Lessingtage, ein Festival, das Politik und Performance verbindet, wurden 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux ins Leben gerufen. Die diesjährige Ausgabe kuratierte Matthias Lilienthal, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird.
Raus "Prozess gegen Deutschland" wird als live übertragenes Scheinverfahren im Stil einer Gerichtsverhandlung stattfinden – gestreamt auf der Website des Theaters. Statt Schauspieler:innen führen reale Jurist:innen und Rechtsexpert:innen die Debatte; die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt die Rolle der Richterin.
Bekannt für seinen postdramatischen Ansatz, rekonstruiert Rau häufig reale Ereignisse, um schwierige Themen aufzugreifen. In früheren Arbeiten verband er religiöse Erzählungen mit modernen Krisen – etwa, indem er die Passion Christi mit den Schicksalen afrikanischer Geflüchteter in Palermo inszenierte. In Gent nutzte er den berühmten Altar der Stadt, um Belgiens Kolonialgeschichte zu beleuchten. Diesmal rückt er die deutsche Politik und den Aufstieg rechtsextremer Bewegungen in den Fokus.
Das Format des Prozesses entspricht Raus Markenzeichen: eine Mischung aus Fakten, Debatte und Performance, die das Publikum herausfordert. Indem er die Zukunft der AfD auf den Prüfstand stellt, führt er seine Tradition fort, Theater zu einem Ort für drängende gesellschaftliche Fragen zu machen.
Der "Prozess gegen Deutschland" läuft drei Tage lang im Thalia Theater Hamburg. Die Live-Übertragung ermöglicht einer breiten Öffentlichkeit, die Diskussion über den rechtlichen Status der AfD zu verfolgen. Das Festival knüpft mit Raus Arbeit an aktuelle Debatten über Demokratie, Extremismus und die Rolle der Kunst im öffentlichen Diskurs an.
Jury Verdict: AfD Found Constitutionally Violating in Key Areas
Der dreitägige 'Prozess gegen Deutschland' endete mit einem Juryurteil, wonach die AfD in wichtigen Bereichen verfassungswidrig ist. Das Urteil umfasste:
- 5-2 Abstimmung zur Menschenwürde (verfassungswidrig)
- 5-2 Aufruf an die verfassungsmäßigen Organe, ein Verbot zu prüfen
- 4-3 Entscheidung, die AfD von der staatlichen Finanzierung auszuschließen Das Juryurteil vom 15. Februar verlangt eine formelle Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Partei nach dem Grundgesetz.