05 February 2026, 10:38

NRW-Patienten warten monatelang auf Fachärzte – warum das System an Grenzen stößt

Ein Kreisdiagramm mit "patientenorientierte Versorgung" in der Mitte, unterteilt in vier farbige Abschnitte, jeweils mit einer Beschreibung der Versorgung.

NRW-Patienten warten monatelang auf Fachärzte – warum das System an Grenzen stößt

Gesetzlich Versicherte in NRW warten länger denn je auf Facharzttermine

Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung in Nordrhein-Westfalen (NRW) müssen derzeit länger auf Termine bei Fachärzten warten als je zuvor. 2024 betrug die durchschnittliche Wartezeit 42 Tage – ein Anstieg gegenüber 33 Tagen im Jahr 2019. Privatversicherte hingegen kommen deutlich schneller an Termine, auch wenn Ärzte betonen, dass die Unterschiede überschaubar blieben.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) verweist auf eine zunehmende Belastung des Systems. Ein Mangel an Fachärzten, begrenzte Ressourcen und eine steigende Nachfrage haben die Wartezeiten in die Höhe getrieben. Die Zahl der Behandlungsfälle in der Region ist von etwa 67 Millionen im Jahr 2014 auf über 72 Millionen pro Jahr gestiegen.

Dr. Justus Kreyer, Orthopäde in Düsseldorf, bestätigt den Druck. Seine Praxis hat von 8 bis 20 Uhr geöffnet und behandelt mehr als 4.000 Patienten pro Quartal. Zwar erhalten Privatpatienten bevorzugte Sprechstundentermine, doch weist er Vorwürfe eines Zweiklassensystems zurück: Die Unterschiede bei den Wartezeiten seien nicht dramatisch.

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Bundesweit stellt sich die Lage weniger kritisch dar. Laut Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzendem der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), erhalten die meisten Patienten innerhalb von drei Tagen einen Termin, jeder Siebte sogar noch am selben Tag. Dennoch fordert KVNO-Sprecher Christopher Schneider Reformen: eine bessere Priorisierung von Patientenanfragen, den Ausbau der Telemedizin und mehr Unterstützungspersonal, um die Ärzte zu entlasten.

Daten zur Entwicklung der Facharztzahlen in NRW seit 2014 liegen nicht vor, ebenso wenig wie regionale Unterschiede bei der Terminverfügbarkeit im Land.

Die Kluft zwischen privat und gesetzlich Versicherten bleibt bestehen – auch wenn Ärzte sie als begrenzt darstellen. Angesichts steigender Nachfrage und knapper Ressourcen werden die Rufe nach Effizienzsteigerungen und zusätzlicher Unterstützung lauter. Für viele Patienten in NRW bleibt die längere Wartezeit auf einen Facharzttermin vorerst Realität.