Petition gegen hohe Gebühren beim neuen Altersvorsorgekonto sammelt über 100.000 Stimmen
Jonas SchmidtGünstigere Rente gefordert: 100.000 Menschen unterzeichnen Petition - Petition gegen hohe Gebühren beim neuen Altersvorsorgekonto sammelt über 100.000 Stimmen
Eine öffentliche Kampagne fordert niedrigere Gebühren für das geplante staatlich geförderte Altersvorsorgekonto in Deutschland. Über 100.000 Menschen unterstützen eine Petition der Verbraucherorganisation Finanztip, die strengere Obergrenzen für die Kosten verlangt. Der aktuelle Regierungsentwurf sieht jährliche Gebühren von bis zu 1,5 Prozent vor – ein Niveau, das die meisten Sparer als zu hoch ablehnen.
Das neue Altersvorsorgemodell soll die unpopuläre Riester-Rente ersetzen, ein System, das wegen seiner Komplexität und sinkender Nutzung in der Kritik steht. Seit 2021 ist die Zahl der Verträge von 10 Millionen auf etwa 8,5 Millionen gefallen, da Anleger zunehmend auf Alternativen wie die Rürup-Rente oder private Geldanlagen ausweichen. Hohe Kosten, geringe Renditen und undurchsichtige Förderregeln haben diesen Rückgang beschleunigt.
Die Petition von Finanztip fordert eine Gebührenobergrenze von 0,5 Prozent – deutlich unter den vom Staat vorgeschlagenen 1,5 Prozent. Eine Umfrage ergab, dass 78 Prozent der potenziellen Nutzer niedrige Kosten als entscheidend für ihre Teilnahme ansehen. Nur 23 Prozent würden Gebühren von 1,5 Prozent akzeptieren, während 30 Prozent eine Obergrenze von 0,5 Prozent und 28 Prozent maximal 1 Prozent befürworten.
Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, hält selbst 1,5 Prozent für überzogen. Berechnungen der Organisation zeigen die Auswirkungen: Wer 40 Jahre lang monatlich 200 Euro bei 0,5 Prozent Gebühren anspart, erhält am Ende rund 338.000 Euro – bei 1,5 Prozent dagegen nur 263.000 Euro. Weitere Reformvorschläge umfassen ein standardisiertes Produkt, höhere staatliche Zuschüsse und einen einfacheren Anbieterwechsel.
Das Bundesfinanzministerium räumt zwar die Schwächen der Riester-Rente ein, hat sich zu den Forderungen der Petition jedoch noch nicht geäußert. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie Bezahlbarkeit und die langfristige Tragfähigkeit des Systems in Einklang gebracht werden können.
Der Erfolg der Petition unterstreicht den starken öffentlichen Widerstand gegen hohe Gebühren im neuen Rentensystem. Da die meisten Sparer die Kosten priorisieren, steht die Regierung unter Druck, ihren Entwurf nachzubessern. Die Entscheidung wird maßgeblich darüber entscheiden, wie viele Bürger teilnehmen – und damit über die Zukunftsfähigkeit des Modells.