24 March 2026, 14:18

Russlands Verbot des Balletts Nurejew – Kunst als Opfer der Zensur

Vier junge Ballerinen in weißen Kleidern tanzen auf einer Bühne mit einer gemalten Kulisse aus Bäumen und Himmel in Schwarz-Weiß.

Russlands Verbot des Balletts Nurejew – Kunst als Opfer der Zensur

Das Ballett Nurejew, einst eine gefeierte Produktion am Moskauer Bolschoi-Theater, ist in Russland nun verboten. Die Regierung setzte es 2023 im Rahmen ihrer verschärften Kampagne gegen "LGBTQ-Propaganda" und "nicht-traditionelle Werte" ab – mit der Begründung, es zeige Homosexualität und Männer in Frauenkleidung. Die Entscheidung spiegelt die wachsenden Einschränkungen wider, die auf Gesetze zurückgehen, die Präsident Wladimir Putin unterzeichnet hat. Immer mehr Künstler gehen ins Exil, während heimische Aufführungen zum Schweigen gebracht werden.

Das 2017 uraufgeführte Ballett erzählt die Lebensgeschichte Rudolf Nurejews – von seiner Ausbildung in Leningrad über seine Flucht in den Westen bis zu seinem Kampf gegen Aids. Sein Verbot markiert ein weiteres Kapitel in der anhaltenden Unterdrückung künstlerischer Freiheit in Russland.

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Der Choreograf Juri Possochow und der Regisseur Kirill Serebrennikow brachten Nurejew 2017 auf die Bühne des Bolschoi. Die Produktion zeigte den stürmischen Werdegang des Tänzers: seine frühen Jahre unter der Ägide seines Mentors Alexander Puschkin, seine dramatische Flucht nach Frankreich und seinen lebenslangen Konflikt zwischen der Liebe zu seiner Heimat und dem Streben nach künstlerischer Freiheit. Das Bühnenbild griff persönliche Symbole auf – männliche Akte alter Meister, die Sofas von Maria Callas und sogar Nachbildungen von Nurejews italienischer Insel – und schuf so ein lebendiges Porträt seiner Welt.

Serebrennikow, ein scharfer Kritiker der russischen Regierung, konnte bei der Premiere 2017 wegen Hausarrests nicht anwesend sein. Später wegen Veruntreuung verurteilt, floh er 2022 nach Berlin, wo er weiterhin arbeitet. Der zweite Akt des Balletts, obwohl visuell beeindruckend mit großen Ensembleszenen, erreichte nie ganz die emotionale Wucht des ersten. Dennoch ist eine Neuauflage für 2026 in Berlin geplant – fernab der Zensur, die Russland mittlerweile prägt.

Possochow, in der Ukraine geboren und heute US-Bürger, bleibt trotz des anhaltenden Krieges mit dem Repertoire des Bolschoi verbunden. Seine Mitarbeit an Nurejew steht für eine seltene grenzüberschreitende künstlerische Verbindung in einer Zeit zunehmer politischer Spaltung.

Die ursprüngliche Uraufführung des Balletts fand bereits 1995 in Berlin statt, lange vor der russischen Inszenierung. Nurejew selbst, 1938 geboren, starb 1993 an den Folgen von Aids. Zwei Jahre später wurde sein Nachlass versteigert – die Überreste eines Lebens zwischen Auflehnung und Hingabe verstreuten sich.

Das Verbot von Nurejew folgt einem Muster zunehmender Kontrolle über die russische Kultur. Künstler wie Serebrennikow arbeiten mittlerweile im Ausland, während als politisch heikel eingestufte Produktionen mit Strafen oder vollständigen Aufführungsverboten belegt werden. Die Abwesenheit des Balletts auf russischen Bühnen hinterlässt eine Lücke im künstlerischen Erbe des Landes – eine, die sich vielleicht nur jenseits seiner Grenzen schließen lässt.

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