08 February 2026, 12:49

Sachsen-Anhalt plant Pflichtarbeit für Bürgergeld-Empfänger – und spaltet die Republik

Ein altes, gelbliches Dokument mit einem kreisrunden, schwarz umrandeten Stempel, das schwarze Tintenbuchstaben enthält, wahrscheinlich ein Brief der deutschen Regierung.

Forderung nach neuem Ministerpräsidenten: Freiwilligenarbeit für Empfänger von Leistungen - Sachsen-Anhalt plant Pflichtarbeit für Bürgergeld-Empfänger – und spaltet die Republik

Sachsen-Anhalts neu gewählter Ministerpräsident Sven Schulze hat die Einführung einer verpflichtenden, unentgeltlichen Gemeinschaftsarbeit für Empfänger von Bürgergeld vorgeschlagen. Dem Plan zufolge müssten Bezieher staatlicher Leistungen Aufgaben wie Laubharken oder Schneeräumen in Sachsen übernehmen. Die Idee hat bereits vor den anstehenden Landtagswahlen in sieben Monaten eine kontroverse Debatte unter Ökonomen und politischen Gruppen ausgelöst.

Schulze, der das Amt nach dem Rücktritt von Reiner Haseloff übernahm, argumentiert, dass Leistungsempfänger der Gesellschaft etwas zurückgeben sollten. Sein Vorstoß knüpft an jahrelange ähnliche Diskussionen in anderen Bundesländern an, darunter Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg. Zwischen 2021 und 2026 hatten vor allem rechtspopulistische und konservative Kräfte, insbesondere die AfD, eine Pflicht zu Gemeinschaftsarbeit für Sozialhilfeempfänger gefordert.

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Die öffentliche Reaktion auf solche Pläne fällt bisher gespalten aus. Umfragen zeigten eine Zustimmung von 40 bis 60 Prozent in rechtspopulistischen Kreisen, während Gewerkschaften, linke Gruppen und weite Teile der Bevölkerung die Maßnahmen ablehnten. 2023 kam es in Sachsen zu Protesten, bei denen Kritiker den Vorwürfen der Diskriminierung und Zwangsarbeit Ausdruck verliehen. Medien verurteilten die Idee zudem als ungerechte Zielscheibe für sozial Schwache.

Die Wirtschaftsexpertin Monika Schnitzer, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, sieht durchaus Potenzial in dem Konzept. Ihrer Ansicht nach könnte eine Arbeitsverpflichtung helfen, illegale Beschäftigung unter denen einzudämmen, die formale Jobs aus finanziellen Gründen meiden. Gleichzeitig warnt Schnitzer vor einer pauschalen Regelung, da diese die Stellensuche für aktiv Arbeitssuchende behindern könnte.

Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Sachsen-Anhalt sich in etwa sieben Monaten auf Landtagswahlen vorbereitet. Sollte die Maßnahme umgesetzt werden, würde dies eine deutliche Wende in der Sozialpolitik des Landes bedeuten. Die Diskussion dürfte an Schärfe gewinnen, während Parteien und Ökonomen die praktischen und ethischen Konsequenzen abwägen.