Sechs Jahre nach Hanau: Eine Familie kämpft weiter um Gerechtigkeit und Erinnerung
Anton HuberErinnerung an die Opfer von Hanau - Wulff ruft zur Vielfalt auf - Sechs Jahre nach Hanau: Eine Familie kämpft weiter um Gerechtigkeit und Erinnerung
Angehörige und Freunde von Hamza Kurtović versammelten sich vergangene Woche, um sechs Jahre nach seinem Tod seiner zu gedenken. Der 22-Jährige wurde im Februar 2020 bei einem rassistischen Anschlag in Hanau getötet. Die Gedenkveranstaltung fand statt, während Deutschland weiterhin mit den Folgen rechtsextremer Gewalt und deren Auswirkungen auf die Familien der Opfer ringt.
Bei der privaten Zeremonie ehrten die Teilnehmenden Kurtovićs Leben und forderten Gerechtigkeit. Sein Vater, Armin Kurtović, entschied sich indes, nicht an der offiziellen, von städtischen und regionalen Behörden organisierten Gedenkfeier teilzunehmen.
Der Hanau-Anschlag von 2020, bei dem neun Menschen ums Leben kamen, markierte einen Wendepunkt in der öffentlichen Debatte Deutschlands über Rassismus. Seither drehen sich die Diskussionen um die Schwierigkeiten des Landes, rechtsextreme Motive bei Gewaltverbrechen anzuerkennen. Frühere Fälle – wie der Münchner Amoklauf 2016, der Anschlag von Halle 2019 oder die lange unaufgeklärten Morde der rechtsterroristischen NSU – zeigen ähnliche Muster verzögerter Aufarbeitung.
Die Familien der Opfer, darunter auch die Kurtovićs, kritisieren seit Langem die Vorgehensweise der Behörden bei den Ermittlungen. Sie werfen den Verantwortlichen vor, Versäumnisse bei der Aufklärung zu vertuschen – etwa im Fall des verschlossenen Notausgangs am zweiten Tatort in Hanau. Armin und Dijana Kurtović zogen sogar vor das Bundesverfassungsgericht und warfen den Ermittlern vor, zentrale Aspekte des Anschlags ignoriert zu haben.
Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff nahm an der privaten Gedenkfeier teil und sprach sich gegen Gleichgültigkeit aus. Er forderte die Gesellschaft auf, sich entschlossener für Vielfalt und Toleranz einzusetzen. Wulff verurteilte zudem die deutsche Tendenz, Diskriminierung zu übergehen, wenn sie auftritt, und warnte, dass ein solches Schweigen weiteren Schaden ermöglichen könnte.
Der Kampf der Familie Kurtović um Aufklärung geht weiter, während rechtliche Auseinandersetzungen noch immer nicht abgeschlossen sind. Ihr Engagement steht exemplarisch für die Forderungen vieler Angehöriger nach Transparenz und strukturellen Veränderungen. Die Gedenkveranstaltungen erinnern an die verlorenen Leben – und an den anhaltenden Kampf gegen rechtsextreme Gewalt in Deutschland.
