Siemens Energy feuert Betriebsratskandidatin – kurz vor der Wahl
Jonas SchmidtSiemens Energy feuert Betriebsratskandidatin – kurz vor der Wahl
Isabella Paape, Betriebsratsmitglied bei Siemens Energy in Erlangen, wurde nur wenige Wochen vor den anstehenden Wahlen überraschend und ohne Angabe von Gründen entlassen. Die Kündigung sorgt für Aufsehen – Kritiker werfen dem Unternehmen vor, damit eine Schlüsselkandidatin zum Schweigen bringen zu wollen. Arbeitsrechtler hinterfragen nun, ob der Schritt gegen deutsche Arbeitsschutzbestimmungen verstößt.
Paape, Spitzenkandidatin der Liste Gemeinsam aktiv, wurde Anfang Januar das Betreten des Firmengeländes untersagt. Der Zeitpunkt weckte Misstrauen, da die Betriebsratswahlen für den 3. März anstanden. Später wurde bekannt, dass Teile des bestehenden Betriebsrats ihre Entlassung beschlossen hatten, ohne ihr Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.
Ein Gericht griff am 23. Januar 2026 ein und gewährte Paape eingeschränkten Zutritt zu den Werken in Erlangen und Forchheim. Doch die Auflagen blieben streng: Sie musste von Sicherheitspersonal begleitet werden und durfte keine digitalen Kommunikationsmittel nutzen. Unbeirrt setzte sie ihren Wahlkampf fort – etwa durch öffentliche Stellungnahmen zu Löhnen, Arbeitsbelastung und Jobsecurity.
Die Gewerkschaft IG Metall verurteilte das Vorgehen von Siemens Energy als skandalös. Arbeitsrechtsexperten stufen die Kündigung zudem als rechtlich unwirksam ein. Unterdessen starteten Unterstützer Solidaritätskampagnen, eine Online-Petition und öffentliche Erklärungen, um Paapes Wahlkampf präsent zu halten.
Der Streit wirft nun einen Schatten auf die Abstimmung am 3. März. Beobachter sehen darin einen entscheidenden Test für die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in der deutschen Industrie – mit weitreichenden Folgen für die Jobsecurity von Betriebsratsmitgliedern bundesweit.
Die Wahl wird unter rechtlicher und politischer Spannung stattfinden. Paapes Fall hat bereits eine breitere Debatte über den Einfluss von Unternehmen auf die Arbeitnehmervertretung ausgelöst. Das Ergebnis könnte Präzedenzcharakter für die Handhabung ähnlicher Konflikte in Zukunft haben.
