Söder fordert mehr Arbeitsstunden und streicht die Rente mit 63 – doch die Kritik ist massiv
Felix MaierSPD-Sozialexpertin: Söders Aussagen zu Mehrarbeit 'abwegig' - Söder fordert mehr Arbeitsstunden und streicht die Rente mit 63 – doch die Kritik ist massiv
In Deutschland ist eine neue Debatte über Arbeitszeiten und Renten entbrannt, nachdem der CSU-Vorsitzende Markus Söder zwei weitreichende Reformvorschläge vorgelegt hat. Er schlug vor, dass Arbeitnehmer wöchentlich eine zusätzliche Stunde arbeiten sollten, um das Wirtschaftswachstum zu stärken. Zudem forderte er die schrittweise Abschaffung der sogenannten "Rente mit 63", einer vorzeitigen Altersvorsorge-Regelung. Die Pläne stoßen bereits auf scharfe Kritik von Arbeitsmarkt- und Sozialexperten.
Söders erster Vorschlag zielt darauf ab, die durchschnittliche Vollzeit-Arbeitswoche von 41 auf 42 Stunden zu verlängern. Er argumentierte, dass dieser geringe Anstieg der Wirtschaft in Deutschland neuen Schwung verleihen könnte. Doch Annika Klose, Sozialexpertin der SPD, wies die Idee umgehend zurück. Sie betonte, dass Arbeitszeiten durch Tarifverhandlungen und nicht durch politische Vorgaben geregelt werden sollten.
Der zweite Vorstoß betrifft die "Rente mit 63", ein vorzeitiges Renteneintrittsmodell, das 2014 eingeführt wurde. Söder behauptete, dessen Abschaffung würde die Belastung des Rentensystems verringern. Klose hingegen wies darauf hin, dass die ursprüngliche Regelung in dieser Form nicht mehr existiert. Aktuell werde vielmehr über eine abschlagsfreie Rente mit 65 diskutiert – nicht mit 63.
Die Arbeitsmuster in Deutschland haben sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Immer mehr Beschäftigte wechseln in Teilzeitstellen, wie ein Regionalbericht für 2025 zeigt: Der Anteil stieg um 2,2 Prozentpunkte auf 32,3 Prozent der Arbeitsplätze. Besonders in Branchen wie dem Gesundheitswesen reduzieren Mitarbeiter oft ihre Stunden oder leisten Überstunden, um einem Burnout vorzubeugen. Diese Entwicklungen erschweren die Diskussion über eine Ausweitung der Arbeitszeit zusätzlich.
Söders Pläne haben sofortigen Widerstand ausgelöst, vor allem vonseiten der SPD. Kloses Gegenargumentation unterstreicht die Bedeutung der Gewerkschaften bei der Festlegung von Arbeitszeiten und stellt klar, dass die "Rente mit 63" heute nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form besteht. Die Debatte dreht sich nun darum, ob künftige Arbeitsmarktregeln von der Politik oder durch Tarifverträge gestaltet werden sollten.
