Vom Trauerfall zum Trinkgelage: Leóns skurriles Genarín-Fest polarisiert
Jana SimonVom Trauerfall zum Trinkgelage: Leóns skurriles Genarín-Fest polarisiert
Jedes Jahr am Gründonnerstag in León wird aus Trauer ein rauschendes Fest
Nur wenige Stunden nach den feierlichen Osterprozessionen entfaltet sich in León, Spanien, eine seltsame Tradition: das Genarín-Fest. Tausende versammeln sich dann im Stadtzentrum, um offen auf den Straßen zu trinken. Aus der einst kleinen Gedenkveranstaltung ist einer der belebtesten – und umstrittensten – Abende des Jahres geworden.
Die Wurzeln des Genarín reichen bis in die reale Geschichte von Genaro Blanco zurück, einem Einheimischen, der nach einem Unfall mit einem Müllwagen starb – betrunken, wie es hieß. Die Tradition verwandelt sein tragisches Ende in einen lauten, sarkastischen Umzug. Statt religiöser Symbole tragen die Teilnehmer ein Fass Orujo – einen hochprozentigen Schnaps – durch dieselben Straßen, die noch am selben Tag von den ernsten Karfreitagsprozessionen durchschritten wurden.
Der Umzug macht Halt für Gedichte, Darbietungen und einen besonderen Höhepunkt: "La Moncha". Ein Wagen zeigt eine Frau, die bei Fackelschein aus einer übergroßen Zeitung vorliest – eine Anspielung auf die Szene, als Blancos Leichnam gefunden wurde. Viele Feiernde trinken bis zum Morgengrauen und begeben sich dann direkt zum "Encuentro", einer der symbolträchtigsten religiösen Zeremonien der Woche.
Tausende Liter Alkohol fließen durch die Menge, locken Besucher aus Asturien, Galicien und Kantabrien an. Trotz der umstrittenen Mischung aus Respektlosigkeit und Frömmigkeit wächst die Beliebtheit des Genarín Jahr für Jahr.
Das Fest bleibt ein polarisierender Fixpunkt im Kalender von León. Es verbindet schwarzen Humor mit tiefer lokaler Tradition – und sorgt für volle Straßen und hitzige Diskussionen. Doch eines ist klar: Genarín zeigt keine Anzeichen, an Schwung zu verlieren.






