03 March 2026, 04:24

Wer baute Deutschlands Wirtschaftswunder wirklich auf – und wann?

Ein detaillierter alter Stadtplan von Weimar, Deutschland, der Straßen, Gebäude, Sehenswürdigkeiten und Text mit Informationen über die Stadtbevölkerung, Sehenswürdigkeiten und Straßen zeigt.

Wer baute Deutschlands Wirtschaftswunder wirklich auf – und wann?

Eine aktuelle Äußerung des CDU-Politikers Carsten Linnemann hat eine Debatte über den wirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Krieg entfacht. Linnemann betonte, Migranten hätten "dieses Land mitaufgebaut" und seien für das Wirtschaftswunder unverzichtbar gewesen. Historiker hingegen werfen ihm vor, damit die tatsächliche Chronologie und die treibenden Kräfte des Booms zu verzerren.

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Das Wirtschaftswunder – der legendäre deutsche Wirtschaftsaufschwung – war bereits in vollem Gange, bevor die ersten Gastarbeiter ins Land kamen. Ludwig Erhards marktwirtschaftliche Reformen und die Anstrengungen der deutschen Arbeitnehmer legten den Grundstein für die Erholung nach dem Zweiten Weltkrieg. Als in den 1950er- und 1960er-Jahren die Anwerbeabkommen für ausländische Arbeitskräfte geschlossen wurden, expandierte die Wirtschaft bereits rasant.

Der Impuls für die Gastarbeiter ging maßgeblich von ausländischen Regierungen aus, die Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Bürger suchten. Deutschlands Arbeitskräftenachfrage war vielmehr eine Folge des bestehenden Wachstums – nicht dessen Ursache. Zwar leisteten Gastarbeiter später wichtige Beiträge in Branchen wie der Industrie und dem Baugewerbe, doch ihre Ankunft folgte dem wirtschaftlichen Aufschwung, statt ihn auszulösen.

Linnemanns Aussagen spiegeln zudem tiefgreifendere Verschiebungen innerhalb der CDU wider. Die Partei, die einst auf Erhards marktliberalen Prinzipien gründete, öffnete sich ab den 1970er-Jahren zunehmend staatlicher Intervention. Unter Helmut Kohl kehrte sie zwar zu einer stärker marktwirtschaftlichen Ausrichtung zurück, doch jüngere CDU-geführte Regierungen – einschließlich der Ära Angela Merkel – verbanden Regulierung mit gezielter Förderung, etwa in der Energie- und Finanzpolitik. Kritiker werfen der Partei vor, sich zunehmend linksgerichteten Narrativen anzunähern – auch in der Migrationsfrage.

Die Diskussion unterstreicht, wie wichtig historische Genauigkeit bei der Bewertung des deutschen Nachkriegserfolgs ist. Gastarbeiter spielten zweifellos eine Rolle, doch ihr Beitrag setzte ein, als das Wirtschaftswunder bereits Fakt war. Die sich wandelnde Haltung der CDU in Wirtschafts- und Migrationsfragen bleibt für diejenigen ein Streitpunkt, die einen Abschied von den ursprünglichen Grundsätzen der Partei befürchten.