Zukunft der Apotheken: Bundestag ringt um umstrittenes Reformgesetz
Gesundheitsausschuss des Bundestags berät über Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG)
Im Gesundheitsausschuss des Bundestags haben die Beratungen über das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) begonnen. Der Gesetzentwurf hat in der Branche eine kontroverse Debatte ausgelöst – insbesondere zu Kosten, Ausbildungsstandards und der künftigen Rolle von Apothekern in der Gesundheitsversorgung.
Thomas Preis, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA), begrüßte Pläne, die Festbeträge für Apotheken über eine begleitende Verordnung anzuheben. Markus Grunenberg vom GKV-Spitzenverband warnte jedoch, dass eine solche Erhöhung das Gesundheitssystem mit zusätzlichen Kosten von bis zu einer Milliarde Euro belasten könnte.
Preis verwies zudem auf einen kontinuierlichen Rückgang der Apothekenzahlen in den vergangenen 13 Jahren. Er forderte schnelle Maßnahmen, um weitere Schließungen zu verhindern, und sprach sich gegen eine "Entprofessionalisierung" der Apotheken aus – etwa durch Vorhaben, den Betrieb ohne approbierte Apotheker oder vor-Ort-Labore zu ermöglichen.
Anja Zierath vom Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen Assistenten (BVpta) lehnte es ab, eine Vertretung in Apotheken ohne zusätzliche Qualifikation zuzulassen. Ulrich Langenberg, Leiter der Abteilung Gesundheitspolitik bei der Bundesärztekammer (BÄK), sprach sich gegen Pläne aus, verschreibungspflichtige Medikamente rezeptfrei abzugeben.
Dr. Stefan Hartmann vom Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) plädierte für eine Neuausrichtung der Regulierung bei der Erstattung von Rezepturarzneimitteln. Thomas Porstner, Vertreter des Phagro-Großhandelsverbands, forderte schärfere Kontrollen, um sicherzustellen, dass Logistikdienstleister die Lagerungs- und Transportbedingungen einhalten.
Bork Bretthauer von Pro Generika bestätigte zwar eine stabile Versorgung mit Biosimilars, verlangte aber ein Verbot von Exklusivverträgen, um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten.
Die Diskussionen um das ApoVWG offenbaren tiefe Gräben in Fragen der Finanzierung, beruflichen Standards und Marktregulierung. Angesichts sinkender Apothekenzahlen und wachsendem Kostendruck wird die finale Gesetzgebung die Zukunft des deutschen Apothekenwesens nachhaltig prägen.
