"Richi"-Meme löst juristischen Streit um Privatsphäre und Kommerz aus
Jonas Schmidt"Richi"-Meme löst juristischen Streit um Privatsphäre und Kommerz aus
Ein virales Schweizer Meme aus dem Jahr 2010 hat eine juristische Auseinandersetzung über seine kommerzielle Nutzung ausgelöst. Der "Richi"-Clip, der einen Jungen zeigt, der von einem Bagger fällt, und den panischen Ruf seines Vaters, wurde zu einem kulturellen Phänomen. Nun wehrt sich die Familie Schömbächler gegen unautorisierte Merchandise-Artikel, Musik und öffentliche Ausstrahlungen, die ihr Bildnis verwenden.
Das Meme stammt aus einer Folge der SRF-Dokumentation "Auf und davon" von 2010, die die Auswanderung der Familie Schömbächler nach Kanada begleitete. In einer Szene stürzt ein kleiner Junge vom Bagger, woraufhin sein Vater, Hermann Schömbächler, ruft: "Richiii! I ha gseit, du söusch di guet häbe!" Der Ausschnitt verbreitete sich rasant in Schweizer Sozialen Medien, bevor er auf YouTube über eine Million Aufrufe erreichte.
Bis 2022 hatte sich das Meme in der Popkultur etabliert. Die Schweizer Band Stubete Gäng veröffentlichte einen Song mit dem Titel "Richi", in dem der Bagger-Sound und Hermanns Ruf verarbeitet wurden. Der Track erreichte 8 Millionen Streams auf Spotify und wurde sogar zur offiziellen Torhymne der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM 2024 in Prag.
Die kommerzielle Vermarktung ging noch weiter: Unternehmen verkauften "Richi"-Socken, Aufbügel-Patches und ein Kinderbuch. Händler wie Galaxus und Brack führten die Artikel im Sortiment, während das Unternehmen Swissmeme die Produktion fortsetzte und angab, mit dem SRF über die Rechte zu verhandeln.
Anfang 2025 meldete sich die inzwischen in Kanada lebende Familie Schömbächler zu Wort und kritisierte die ungenehmigte Nutzung ihrer Stimmen und Bilder. Sie argumentierten, die Kommerzialisierung des Memes verletze ihre Privatsphäre – besonders die ihrer Kinder. Nach den Beschwerden kündigte Stubete Gäng an, den Song ohne Hermanns Stimme neu aufzunehmen. Der Schweizer Eishockeyverband strich "Richi" als Torhymne. Mehrere Händler zogen die Merchandise-Artikel zurück, während Swissmeme einige Produkte weiterhin anbot und der Familie eine Umsatzbeteiligung vorschlug.
Der Streit hat bereits Konsequenzen: Stubete Gäng wird den Song ändern, Händler haben die Ware aus dem Sortiment genommen, und die Eishockey-Mannschaft spielt den Track nicht mehr. Die Familie Schömbächler kämpft weiterhin um die Kontrolle über ihr Bild, während Verhandlungen über Lizenzen und Entschädigungen noch offen sind.






