Wie Misstrauen in Institutionen die Demokratie von innen bedroht
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum das Misstrauen gegenüber Institutionen in der Gesellschaft wächst. In seinem neuesten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie Menschen, die das Vertrauen in Staat, Gerichte, Wissenschaft und Medien verlieren, sich oft zusammenschließen. Diese Gruppen, so seine These, prägen die Politik neu, indem sie sich Parteien zuwenden, die die liberale Demokratie selbst ablehnen.
El-Mafaalanis Forschung zeigt, wie sich Misstrauen ausbreitet und zu politischen Bewegungen verfestigt. Menschen, die etablierte Institutionen infrage stellen, neigen dazu, anderen zu vertrauen, die ihre Skepsis teilen. Dadurch entstehen eng vernetzte Kreise – sogenannte "Gemeinschaften des Misstrauens" –, die sich gegenseitig in ihren Ansichten bestärken.
Digitale Plattformen haben es diesen Menschen erleichtert, sich zu vernetzen und zu organisieren. Während Misstrauen früher oft zur Isolation führte, helfen soziale Medien heute dabei, Gleichgesinnte zu finden und zu mobilisieren. Populistische Strategen, so El-Mafaalani, nutzen diesen Vertrauensverlust gezielt aus, um das Vertrauen in die Demokratie weiter zu untergraben.
Seine Analyse wirft ein Licht auf den Aufstieg von Figuren wie Donald Trump und der deutschen Rechtspopulisten von der AfD. Die 2013 als euroskeptische Protestpartei gegründete AfD änderte 2015 während der Flüchtlingskrise ihren Kurs: Sie verließ wirtschaftliche Themen und setzte stattdessen auf harte migrationspolitische Positionen. Zwar verlor sie dadurch einige Mitglieder, gewann aber bei misstrauischen Wählern an Zuspruch. Bis 2025, mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin, verdoppelte die Partei ihr Ergebnis von der Wahl 2021. Ihr Programm verbindet heute wirtschaftliche Unzufriedenheit – etwa Kritik an der SPD-Arbeitspolitik – mit nationalkonservativen Positionen, EU-Skepsis, Klimaleugnung und Ablehnung von LGBTQ+-Rechten.
El-Mafaalani warnt, dass bloße Enthüllungen über die Inkompetenz der AfD das Vertrauen in die Demokratie nicht zurückbringen werden. Stattdessen deutet seine Arbeit darauf hin, dass gezieltere Strategien nötig sind, um der Anziehungskraft des Rechtspopulismus entgegenzuwirken.
Die Erkenntnisse des Soziologen zeigen, wie Misstrauen zu einer politischen Kraft wird, wenn es in Gruppen geteilt wird. Diese Gemeinschaften unterstützen zunehmend Parteien, die zentrale demokratische Werte ablehnen. El-Mafaalanis Analysen unterstreichen die Notwendigkeit neuer Ansätze, um die Wurzeln des Populismus zu bekämpfen.






