Wie Geflüchtete in Gießen mit Wechselstuben gegen Bargeld-Mangel kämpfen
Jonas SchmidtWarum tauschen Wechselstuben Zahlungskarten für Flüchtlinge? - Wie Geflüchtete in Gießen mit Wechselstuben gegen Bargeld-Mangel kämpfen
Ein Netzwerk ehrenamtlich betriebener Wechselstuben in Hessen hilft Geflüchteten, die Beschränkungen ihrer staatlichen Zahlungskarten zu umgehen. Seit Anfang 2025 tauschen Asylsuchende in Gießen in Supermärkten erworbene Lebensmittelgutscheine – bezahlt mit den Karten – gegen dringend benötigtes Bargeld. Das System zeigt die anhaltenden Probleme eines Leistungssystems auf, das Kritiker als gezielte Einschränkung der finanziellen Freiheit von Geflüchteten brandmarken.
Die Zahlungskarte, eingeführt für Asylbewerber:innen und abgelehnte Antragsteller:innen mit Duldungsstatus, funktioniert wie eine Debitkarte, unterliegt jedoch strengen Kontrollen. Die Empfänger:innen erhalten den Großteil ihrer Leistungen darauf ausgezahlt – ihnen bleiben lediglich 50 Euro Bargeld pro Monat. Zwar ist die Karte bundesweit einsetzbar, doch viele bevorzugte Einkaufsorte wie Flohmärkte oder Secondhand-Läden akzeptieren sie nicht.
Als Reaktion richteten Ehrenamtliche in Gießen zu Jahresbeginn Wechselstuben ein. Rund 15 Helfer:innen, unterstützt von 30 bis 50 lokalen Haushalten, betreiben den Service. Geflüchtete kaufen mit ihren Karten Supermarktgutscheine, die sie in den Wechselstuben gegen Bargeld eintauschen. Ähnliche Stellen gibt es in Offenbach, wo der Service jedoch nur alle zwei Wochen angeboten wird. Die Besucherzahlen in Gießen sind seit dem Sommer stark zurückgegangen – oft auf die Hälfte. Die Organisator:innen führen dies auf rückläufige Neuankömmlinge zurück. Gleichzeitig bleibt die Karte in Teilen Hessens problematisch: Nur in Hanau funktioniert sie ohne Einschränkungen. Kritiker:innen werfen dem System vor, es sei darauf ausgelegt, Geflüchteten das Leben zu erschweren. Hinrich Garms von „Offenbach Solidarisch“ argumentiert, die Beschränkungen zwängen Menschen in bestimmte Geschäfte und schnitten sie von günstigeren oder kulturell vertrauten Waren ab.
Die Wechselstuben bieten eine vorübergehende Lösung für Geflüchtete, die unter den Limits der Zahlungskarte leiden. Mit nur 50 Euro Bargeld im Monat sind viele auf diese ehrenamtlichen Netzwerke angewiesen, um überhaupt finanzielle Spielräume zu gewinnen. Ob das System langfristig besteht, hängt davon ab, ob die Behörden die anhaltenden Probleme angehen – oder ob sich noch mehr Gemeinden engagieren, um die Lücken zu schließen.
