Ampel-Reform zwingt Patienten zum Hausarzt – doch Experten warnen vor Chaos
Jonas SchmidtPatientenvertreter: Fachärzte müssen Befunde erklären - Ampel-Reform zwingt Patienten zum Hausarzt – doch Experten warnen vor Chaos
Die deutsche Ampelkoalition treibt eine Reform des Gesundheitssystems voran, um Wartezeiten zu verkürzen und die Effizienz zu steigern. Kern des Plans: Patienten sollen künftig zunächst ihren Hausarzt aufsuchen, bevor sie zu einem Facharzt überweisen lassen. Doch Kritiker warnen, dass das Vorhaben auf ähnliche Hürden stoßen könnte wie frühere Reformprojekte der Bundesregierung.
Die geplanten Änderungen sehen vor, dass Überweisungen durch den Hausarzt zur Pflicht werden, bevor ein Facharzt aufgesucht werden darf. Zudem soll es eine garantierte Terminvergabe innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens geben. Die konservative CDU/CSU und die Mitte-links-SPD unterstützen den Kurs und argumentieren, dass dies die Versorgung straffen werde. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, äußert jedoch erhebliche Zweifel. Er fragt, wie Hausärzte die zusätzliche Patientenzahl bewältigen sollen, und hält die „Termingarantie“ für unrealistisch. Brysch kritisiert zudem, dass Fachärzte direkte Gespräche mit Patienten umgingen und stattdessen Hausärzte mit der Erklärung komplexer Befunde belasteten. Ein weiteres Problem sei die Finanzierung: Brysch fordert die Abschaffung von Überweisungsgebühren für Hausärzte, die Facharzttermine vermitteln, und bezeichnet das aktuelle System als „profitgetriebene Ressourcenverschwendung“. Ohne konkretere Pläne drohe ein weiteres politisches Debakel – ähnlich wie beim gescheiterten Heizungsgesetz der Ampelkoalition. Ziel der Reform ist es, die Belastung der Fachärzte zu verringern und Behandlungen zu beschleunigen. Doch zentrale Fragen – etwa zur Kapazität der Hausarztpraxen und zur Finanzierung – sind noch ungeklärt. Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte es den Zugang zur medizinischen Versorgung für Millionen Menschen in Deutschland grundlegend verändern.
