Warum kaum ein Bayer den Text der eigenen Landeshymne kennt
Eine langjährige Kampagne in Bayern hat gezeigt, wie wenige Einheimische den Text ihrer eigenen Landeshymne kennen. Rudolf Hierl, ein ehemaliger Stadtrat, schaffte es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde mit seinen Bemühungen, das zu ändern. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob politische Führungskräfte die Texte anderer Hymnen kennen – etwa der Europahymne.
Der CSU-Mitglied und Ex-Stadtrat Hierl verteilte jahrelang über eine halbe Million Textkarten mit dem Bayernlied. Seine Aktion brachte ihm einen Guinness-Weltrekord ein. Dennoch erkennen die meisten Bayern heute noch nur die erste Zeile.
Das Problem ist nicht neu: Der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber geriet einst in Verlegenheit, als er bei einer öffentlichen Veranstaltung den Text vergass. Doch es gibt weder Umfragen noch Statistiken, die genau zeigen, wie viele Menschen den vollständigen Wortlaut kennen. Über Bayern hinaus hat auch die Europahymne eine ungewöhnliche Geschichte. Basierend auf Beethovens „An die Freude“ enthält sie poetische Anspielungen auf das Elysium und einen Cherub – doch diese Strophen werden nie gesungen. Stattdessen erklingt die Hymne instrumental und steht symbolisch für Freiheit, Frieden und Solidarität. Ob der frühere bayerische Regierungschef Markus Söder die Worte der Europahymne kennt, ist nie bestätigt worden.
Hierls rekordverdächtige Kampagne löste das Problem der vergessenen Texte nicht. Das Bayernlied bleibt largely unknown, während die Europahymne bei offiziellen Anlässen stumm bleibt – ohne Worte. Vorerst werden beide Hymnen öfter gehört als verstanden.
